Berlin - Der russische Präsident Wladimir Putin brachte einen ganz besonderen Begleiter mit zum Treffen im Normandie-Format im Kanzleramt. Auf einem Foto, das die Gesprächsrunde zeigt, sitzt zwischen Putin und dem deutschen Außenminister Steinmeier Wladislaw Jurjewitsch Surkow. Dabei dürfte er da gar nicht zu sehen sein. Denn Surkow steht auf den Sanktionslisten der EU und der USA.

Surkow ist ein enger Berater Putins, er gilt als Architekt der russischen Ukrainepolitik, auf ihn geht angeblich das Prinzip der „gelenkten Demokratie“ zurück. Er ist auch Literat, er hat ein in Russland unter Pseudonym vielgelobtes Buch veröffentlicht, „Okolonolja“. Aber wegen seiner Rolle im Ukrainekonflikt dürfte er eigentlich nicht in die Europäische Union einreisen.

Mehr als eine Machtdemonstration

„Entsprechend der EU-Regelungen wurde für Herrn Surkow eine Ausnahme beantragt“, sagt dazu ein Sprecher der Bundesregierung der Berliner Zeitung. „Und sie wurde gewährt.“ Surkow nach Berlin mitzunehmen, zeigt, dass Putin sich über die Sanktionen hinwegsetzen kann.

Hinter dem Begleiter Surkow steckt jedoch mehr als eine Machtdemonstration Putins. Der seit vielen Jahren in der Präsidialadministration tätige Surkow war bereits früh mit der Ukraine befasst. Angeblich reiste er schon während der Proteste auf dem Kiewer Maidan regelmäßig ins Land und stimmte sich mit dem damaligen Präsidenten der Ukraine Wiktor Janukowitsch ab, der im Februar 2014 schließlich nach Russland floh.

Biografische Angaben widersprüchlich

Surkow gilt darüber hinaus als Stratege mit Blick auf die Annexion der Krim im März 2014, was ein wesentlicher Grund dafür sein dürfte, dass sein Name auf der Sanktionsliste ist. Für Surkow sei dies schmerzlich gewesen, schrieb dazu der Kreml-Insider Michail Sygar in seinem Bericht „Endspiel“. Surkow habe sich gerne in Europa aufgehalten, vor der Verhängung der Sanktionen zum Beispiel hat er einen Gastvortrag an der renommierten London School of Economics gehalten.

Surkow begann seine Karriere bei der russischen Menatep-Bank des ehemaligen Oligarchen Michail Chodorkowski. Viele biografische Angaben zu seiner Zeit davor sind widersprüchlich. Er wechselte nach seiner Karriere bei Menatep in die Politik. Für Putin sollte er eine „Farbrevolution“, wie die Orange Revolution in der Ukraine 2004, unmöglich machen.

Nicht in Ungnade gefallen

Wenig später stampfte Surkow die Jugendorganisation Naschi („Die Unseren“) aus dem Boden, um Putins „gelenkter Demokatie“ eine Basis zu liefern. Er hatte maßgeblich Einfluss auf die Gründung und Ausgestaltung der Regierungspartei Einiges Russland. Daher bekam er den Titel Chef-Ideologe und -Stratege des Kreml. Auch stand Surkow Dimitri Medwedew nah, er galt zeitweilig als „Liberaler“, der es sich zur Aufgabe machte, vor allem die gut ausgebildete städtische Mittelschicht auf Putins Seite zu ziehen.

2013 trat Surkow vom Amt des Vize-Ministerpräsidenten zurück. In Moskau wurde geraunt, er sei bei Putin in Ungnade gefallen. Das Bild aus dem Kanzleramt beweist: Surkow spielt wieder ganz oben mit.