Gastbeitrag: Silikonaustausch zum Schnäppchenpreis

Die beflügeln die Phantasie auch entschieden mehr als so ein gelatinöser Niedersachse.

Eine kriminelle französische Firma, gemeingefährliche Silikoneinlagen, Panik bei Frauen, die diese Dinger im Busen tragen. Und der Streit darüber, wer bezahlen soll, wenn die Giftkissen entfernt werden müssen, die nicht aus medizinischen, sondern aus ästhetischen Gründen eingebaut wurden. Weil eine Frau der Meinung war, sie brauche dringend etwas Größeres als das, was sie hat. Schönheit liegt zwar immer im Auge des Betrachters. Aber manchmal eben auch unter dem Skalpell.

Body-Modifikation. Perfektioniere Deinen Körper! Ist der aktuelle Skandal nicht Anlass genug, diesen Trend abzutreiben? Hierzulande findet fast die Hälfte der Mädchen, es sei zu dick, zu schlecht proportioniert, zu kleinbusig. Eben so viele bekennen in einer Umfrage, dass sie gern einen Teil ihrer Intelligenz gegen mehr äußere Attraktivität eintauschen würden. Und bei manch erwachsener Frau wächst sich diese Körperfixierung nicht aus, sondern wird zur Obsession. Bis sie unterm Messer landet. Allen Risiken zum Trotz.

Der kollektive Ärger richtet sich aber nicht gegen diesen Körperwahn, es geht ums Geld. Und der gesunde Menschenverstand urteilt glasklar: Wer sich freiwillig beschnipseln lässt, ist für die Folgen selbst verantwortlich. Wieso soll die Gemeinschaft, die Krankenkassen, für ein privates Schönheitsideal blechen?

Mitbasteln am perfekten Frauenkörper

Vielleicht, weil es weniger privat ist, als wir tun? Vielleicht, weil wir alle irgendwie ständig mitbasteln an der Konstruktion des perfekten Frauenkörpers? Manche Frauen mögen bekloppt sein, die herrschenden Bilder von weiblicher Schönheit sind es nicht minder.

Doch viel entscheidender ist: Kein Raucher wird aufgefordert, seine gesundheitlichen Risiken privat zu finanzieren. Kein Raser, kein Dicker, keiner, der Sport treibt. Und hinzu kommt: Wie andere Patienten auch, haben sich die geschädigten Frauen auf Qualitätsstandards und Kontrollen verlassen, die medizinisch und politisch nicht eingelöst wurden.

Da wäre es doch an der Zeit, medizinische Produkte stärker zu überprüfen, bevor sie im Patienten verschwinden. Künstliche Knie- und Hüftgelenke zum Beispiel, aber auch Herzschrittmacher und Silikon. In den USA werden diese Implantate genauso scharf kontrolliert wie Arzneimittel. Frankreich will es künftig auch so halten. Der deutsche Gesundheitsminister lehnt eine stärkere Regulierung der Branche allerdings ab. Er ist bekanntlich von der FDP.

Mehr Einfühlung zeigt da der Schönheitschirurg Ralf-Thomas Michel aus Frankfurt. Auf der Angst der verunsicherten Frauen baut er eine nette kleine Geschäftsidee auf. Die auch noch dazu dient, das katastrophal ramponierte Image des eigenen Berufsstandes aufzuhübschen und Verantwortung zu demonstrieren. Deshalb rät Professor Michel den geschädigten Frauen dringend, ihr risikoreiches Silikon auszutauschen – in seiner Klinik. Dafür macht er ihnen auch bereitwillig einen Schnäppchenpreis.

Bascha Mika ist Publizistin.