Köln - Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“, wusste schon Friedrich Schiller. Und das denkt sich vermutlich zurzeit auch Jerome Boateng nach der Äußerung von AfD-Vize Alexander Gauland – und dabei sind die beiden noch nicht mal Nachbarn.

Doch wer genau ist eigentlich unser Nachbar? Wer direkt neben uns wohnt, ist es eindeutig. Schwieriger wird schon die Frage, wo die Nachbarschaft endet? Zwei Häuser weiter? Drei Häuser weiter? In der nächsten Straße? In einem anderen Viertel? Der Duden hilft da auch nicht wirklich weiter. Das Wort „Nachbar“ stammt demnach vom mittelhochdeutschen Wort „nāchgebūr(e)“, beziehungsweise dem althochdeutschen „nāhgibūr(o)“ ab, gebildet aus nahe und Bauer. Ein solches Kriterium mag ja noch auf dem Land helfen, aber in der Stadt wird es damit schon schwieriger.

Neid ist Alexander Gaulands Problem

Wen oder was wir als Nachbarn empfinden, hängt zudem immer auch von der Perspektive ab, von der man auf die Sache blickt. Nimmt man Köln als Ganzes ist Bonn eine Nachbarstadt. Schaut man auf ganz Deutschland werden etwa Frankreich und die Niederlande zum Nachbarland. Und so kann man das immer weiter ausdehnen. Ist die Erde die Bezugsgröße, dann wird plötzlich die Andromedagalaxie zu unserem Nachbarn – und das, obwohl sie rund 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt ist.

Da erscheinen Konflikte wie dieser plötzlich ganz klein: In den 80er Jahren geriet in einer Allianz-Werbung ein Familienvater mit einem älteren, miesepetrigen Nachbarn über den Zaun aneinander. „Mit einem Nachbarn voller Neid, ist nicht gut Kirschen essen“, hieß es in dem Spot. Die Kirschen in Nachbars Garten schmecken eben immer süßer. Neid ist vermutlich auch das Problem von Alexander Gauland. Er wird sich eine Wohnung in der Nachbarschaft Jerome Boatengs wohl gar nicht leisten können.