Amsterdam - Es mag ein bisschen altmodisch klingen, aber die klassischen Farben von Kleidung an Bord eines Schiffes sind Blau, Weiß, Blau-Weiß, zur Not Khaki - nachzulesen in jedem ordentlichen Bootshandbuch. Für Boote aus Amsterdam gilt diese Farbenlehre zumindest an einem Sonnabend im Jahr nicht. An jedem ersten Sonnabend im August wird dort der Gay Pride gefeiert, so etwas wie ein Christopher Street Day auf dem Wasser. Und da dominiert nur eine Farbe: Pink.

Am Sonnabend war es wieder so weit: 80 Party-Boote pflügten durch die pittoresken Altstadtkanäle von Hollands größter Stadt. Und am Land sowie auf unzähligen am Ufer festgemachten Booten standen Zehntausende - am Ende werden stets bis zu 400.000 Besucher geschätzt. Zusammen feierten sie die liberale niederländische Gesellschaft.

Wichtiges Marketing-Instrument

So war Amsterdam eine der ersten Großstädte der Welt, in der homosexuelle Paare heiraten konnten (2001). Auf so etwas ist man stolz im Nachbarländchen und verweist kühn auf die lange Geschichte des Liberalismus. So siedelten sich etwa im 16. und 17. Jahrhundert Juden aus Spanien und Portugal, die daheim verfolgt wurden, an der Amstel an - zu beiderseitigem Nutzen, sorgten die Neubürger doch für einen unverhofften wirtschaftlichen Aufschwung.

Seit 1996 gibt es den Amsterdam Pride, nur 1997 fiel er aus. Längst ist die Kanal-Parade eines der wichtigsten Marketing-Instrumente der PR-Abteilung der Stadt. Und längst ist das Zeigen freiheitlicher Lebensweise mitten in der Gesellschaft angekommen.

Polizei, Feuerwehr und sogar die Marine nahmen mit eigenen Booten teil. Natürlich auch Clubs, Bars, Pubs, aber auch politische Parteien oder große Unternehmen wie Shell oder Phillips. Von kleinen Schleppern gezogen, floateten die geschmückten Frachtkähne durch Amsterdams Vorzeigewasserstraße, die Prinsengracht.

Auf den Booten: Aktivisten und Tänzer in Lack, Leder oder Tütü, die stundenlang zu krachenden Technorhythmen aber auch zu gemeinschaftlich gegröltem Schlager-Liedgut zappelten. Ausnahmen waren da die Polizei- und Militärboote. Auf denen standen Damen und Herren in schnieken Ausgehuniformen und winkten fröhlich.

Novum beim traditionellen Schwulen-Korso

Zum ersten Mal nahm in diesem Jahr auch ein „türkisches Boot“ teil. Die Besatzung in roten T-Shirts mit dem weißen Mondstern der türkischen Flagge wurde am Samstag von Hunderttausenden Zuschauern mit Beifall begrüßt. Die Männer und Frauen repräsentierten die etwa 20.000 Schwulen und Lesben unter der türkischstämmigen Bevölkerung der Niederlande, berichtete die Presseagentur ANP.

An Land wurde zurückgefeiert. Natürlich waren sicher nicht alle Schaulustigen homosexuell, doch fast jeder trug irgendetwas pinkfarbenes am Leib, um ein Zeichen zu setzen. So wurde jede Brückendurchfahrt zu einem Triumphzug in Pink - und das im Land von Oranje.

Die Bootsparade war auch der Startschuss für die Bewerbung Amsterdams als Gastgeber der Gay Games 2018. Diese an den Olympischen Spielen orientierte Sportveranstaltung ist speziell für homosexuelle Teilnehmer gedacht, jedoch offen für jedermann. (mit dpa)