Berlin - Wenn die Regel stimmt, wonach die Lösung am nächsten, wenn die Verzweiflung am größten ist, dann dürften wir schon sehr bald aus dem Corona-Jammertal herausfinden.

Jetzt auch noch das Drama um Astrazeneca. Am Montag hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) entschieden, dass die Impfungen mit dem Vakzin bis auf Weiteres ausgesetzt sind. Er ist damit einer Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts gefolgt, das für die Sicherheit von Arzneimitteln zuständig ist. Bei sieben von 1,6 Millionen Geimpften hat es Hirnvenen-Thrombosen gegeben, die sehr selten auftreten. Vielleicht stehen sie in Zusammenhang mit Astrazeneca, vielleicht auch nicht. Nachdem schon einige andere Länder die Impfung mit dem Mittel ausgesetzt haben, folgte nun auch die Bundesrepublik.

Es war eine abrupte Vollbremsung. Am Montagmittag hieß es noch, man impfe weiter. Am Nachmittag dann ging Spahn vor die Presse und sagte de facto alle Astrazeneca-Impftermine ab. Wie es weitergeht, wusste er erstmal auch nicht. „Wir müssen jetzt erst einmal ein paar Tage abwarten“, sagte Spahn. Ein Satz, der einen in dieser Situation wahnsinnig machen könnte. Deutschland im Wartestand. Auf Schutzmasken, auf Impfdosen, auf Tests.

Immerhin scheint man bei der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA verstanden zu haben, dass in der Ruhe nicht immer auch die Kraft liegt. Sie will schon am Donnerstag entscheiden. Die Frage ist, wie es weitergeht, wenn es weitergeht.

Astrazeneca: Der schlechte Ruf ist nun mal eine Tatsache

Der Impfstoff hatte hier von Anfang an kein gutes Image. Ob zu Recht oder nicht – es ist nun mal eine Tatsache. Die Angst vor Nebenwirkungen wird das noch verstärken. Womöglich werden viele, die laut Priorität an der Reihe sind, lieber auf die Impfung verzichten, anstatt sich Astrazeneca verabreichen zu lassen. Das Mittel sollte daher komplett an die Arztpraxen gehen und ohne Priorisierung verimpft werden. Wer will, kann sich dann um einen Termin bemühen. Es werden genug sein.