Die Orgel spielt schon, als Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt am Montagabend die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche betreten. Schnell nehmen sie in der ersten Reihe Platz. Dort sitzt schon Kanzlerin Angela Merkel umringt von ihrem gesamten Kabinett. Innenminister Thomas de Maizière, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Finanzminister Wolfgang Schäuble, die Bauministerin, der Kanzleramtsminister, Ministerpräsidentin Malu Dreyer für den Bundesrat, natürlich der gesamte Berliner Senat inklusive der Opposition beider Parlamente – so viele Spitzenpolitiker finden sich nur höchst selten zu einem gemeinsamen Termin ein. Sie alle sind gekommen, um mit einem Ökumenischen Gottesdienst der Opfer des Anschlags zu gedenken, der keine 24 Stunden zuvor nur wenige Meter von der Kirche entfernt stattfand.

Das ist auch für die Erfahrensten von ihnen keine Pflichterfüllung wie jede andere. Nach der Trauerfeier gibt es wirklich nur wenige Gesichter, die keine Trauer und Ergriffenheit zeigen. CDU-Fraktionschef Volker Kauder legt Thomas de Maizière den Arm um die Schulter, Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter und seine Fraktionskollegin Katrin Göring-Eckardt suchen Blickkontakt mit ihren Vertrauten und die Linken-Politikerin Carola Bluhm ringt sichtlich um Fassung. Schwer zu sagen, ob das an der glasklaren Stimme der Sängerin Jocelyn B.Smith liegt, die sich selbst am Klavier begleitete oder der eindringlichen Predigt von Bischof Markus Dröge.

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