"Oury Jalloh das war Mord", heißt es auf einem Transparent der Demonstranten.
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Dessau-RoßlauVor 15 Jahren starb der Asylbewerber Oury Jalloh aus Sierra Leone bei einem Feuer in einer Dessauer Polizeizelle. Etwa 650 Demonstranten haben am Dienstag in der Dessauer Innenstadt an seinen Tod erinnert und die Aufklärung der Vorgänge am 7. Januar 2005 gefordert. „Oury Jalloh das war Mord“ oder „Murdered by German Police“ hieß es auf den Plakaten der Demonstranten.

Was genau am 7. Januar 2005 geschah, konnte bis heute nicht endgültig aufgeklärt werden. Der stark betrunkene und unter Drogen stehende Jalloh war nach einem Brand in einer Dessauer Polizeizelle am 7. Januar 2005 mit erheblichen Verbrennungen tot gefunden worden. Ob er selber die Matratze angezündet hat, auf der er gefesselt lag, ist bis heute nicht geklärt. Ein Polizist wurde 2012 verurteilt, weil er nicht dafür gesorgt hatte, dass Jalloh ausreichend beaufsichtigt wurde.

Initiative: „Wir kämpfen weiter für die Aufklärung“

Zuletzt hatte das Oberlandesgericht (OLG) Naumburg im Oktober 2019 einen Antrag auf Klageerzwingung im Fall Jalloh abgewiesen. Die Initiative „Break the silence - Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“, die auch die Gedenkdemonstration für Oury Jalloh organisiert hat, forderte daraufhin weitere Untersuchungen und verwies auf ein neues radiologisches Gutachten vom 18. Oktober 2019.

Etwa 650 Personen haben mit Plakaten in Dessau demonstriert.
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Der Bericht eines Professors der Frankfurter Uniklinik stütze sich auf die Computertomographie-Aufnahmen von 2005. Danach habe Jalloh Knochenbrüche der Nase, des Schädels und einer Rippe noch lebend erlitten. Die Initiative geht davon aus, dass Jalloh angezündet und so ermordet wurde. „Wir kämpfen weiter für die Aufklärung“, heißt es in einer Pressemitteilung der Initiative vom 7. Januar 2020.

Die Generalstaatsanwaltschaft hatte nach jahrelangen Untersuchungen, Prozessen und Verfahren zuletzt erklärt, es lasse sich nicht belegen, dass Polizisten oder andere Personen den auf einer Matratze gefesselten Jalloh angezündet hätten.

Auf Twitter sprachen etliche User, Politiker und Kultur-Einrichtungen unter dem Hashtag #OuryJalloh ihre Solidarität aus. „Wir gedenken Oury Jalloh, der heute vor 15 Jahren in Polizeigewahrsam verstarb“, schreibt etwa die Bildungsstätte Anne Frank.