Der frühere brasilianische Präsident Lula da Silva.
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São PauloEs war eine kämpferische Rückkehr aus dem Gefängnis auf die politische Bühne Brasiliens. Vor Tausenden Anhängern in São Bernardo do Campo im Süden São Paulos präsentierte sich Lula da Silva nur einen Tag nach seiner überraschenden Haftentlassung: „Ich bin wieder da“, rief der 74-Jährige am Sonnabend, sichtlich schlanker und mit neuer Freundin.  

Seine 45-minütige Rede auf einem Lastwagen vor dem Sitz der Metallarbeitergewerkschaft wurde live im Internet und Pay-TV übertragen. Jetzt ist klar, dass der Ex-Präsident die brasilianische Politik aufmischen und die Konfrontation mit seinem Erzfeind suchen wird, dem rechtsradikalen Staatschef Jair Bolsonaro. Dabei ist nicht klar, wie lange Lula überhaupt auf freiem Fuß bleiben kann.

Die Verurteilung wegen Vorteilsnahme ist noch nicht rechtskräftig

580 Tage hatte der linke Ex-Präsident, er regierte von 2003 bis 2010, nach einer von Zweifeln überschatteten Verurteilung wegen Vorteilsnahme im Gefängnis gesessen. Lula profitierte jetzt von einem höchstrichterlichen Urteil, das es verbietet, Angeklagte vor der letztinstanzlichen Entscheidung in Haft zu nehmen. Mit Lula kommen rund 5000 weitere Häftlinge frei. Er muss erst dann wieder hinter Gitter, wenn in dem aktuell laufenden Verfahren alle Instanzen ausgeschöpft sind und er rechtskräftig verurteilt werden sollte.

Lula da Silva wurde im Januar 2018 zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Richter sahen es trotz fehlender Beweise als erwiesen an, dass er in seiner Amtszeit den Baukonzern OAS bevorteilte. Dafür habe er von dem Unternehmen im Gegenzug eine teure Penthouse-Wohnung im Seebad Guarujá aufwendig renovieren lassen. Die Liegenschaft gehört zwar weder Lula noch seiner Familie, aber die baulichen Veränderungen sollen nach den Wünschen seiner im Februar 2017 verstorbenen Frau Letizia vorgenommen worden sein.

Da Silva: Die Linken können die Ultrarechten schlagen

Am Sonnabend versprach er, die Annullierung seiner Strafen und Verfahren erreichen zu wollen. Zumal es Hinweise gibt, dass es sich um ein politisch motiviertes Urteil handelte, um ihn von der Präsidentschaftskandidatur vergangenes Jahr abzuhalten. Lula da Silva führte in allen Umfragen, bevor er im Gefängnis verschwand.

Lulas Worte waren nun voller Wut, aber auch Kampfeswillen. „Wenn wir gut arbeiten und den Kopf einsetzen, dann können wir, die so genannte Linke, die Bolsonaro so sehr fürchtet, die Ultrarechte 2022 schlagen“. Lula kündigte zudem an, in den kommenden Wochen ganz Brasilien bereisen zu wollen. Es war eine Wahlkampfrede, ohne dass es einen Wahlkampf gibt.