Kim Yo Jong (Archivbild 2018).
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BerlinNordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat nach Einschätzung des südkoreanischen Geheimdienstes einen Teil seiner Machtbefugnisse an seine Schwester Kim Yo Jong und andere enge Vertraute abgetreten. Bei einem nicht öffentlichen Informationsgespräch im südkoreanischen Parlament habe der staatliche Aufklärungsdienst Kim Yo Jong als „De-facto-Führerin Nummer zwei“ bezeichnet, berichtete laut dpa die nationale Nachrichtenagentur Yonhap am Donnerstag unter Berufung auf Abgeordnete. Sie sei für die Politik gegenüber Südkorea und den USA verantwortlich. Als potenziellen Nachfolger habe der Machthaber aber weder seine jüngere Schwester noch irgendjemand anderen ausgewählt.

Durch Übertragung von Befugnissen für die Staatsgeschäfte solle Kim Jong Un Arbeitsstress abgenommen und „die Schuld für den Fall des politischen Scheiterns“ von ihm abgewendet werden, hieß es. „Der Vorsitzende Kim hat nach wie vor absolute Autorität, doch einiges von ihr ist nach und nach übergeben worden.“ Wie der Geheimdienst zu seiner Einschätzung gelangt ist, blieb unklar.

Kim Yo Jong, deren Alter in Südkorea auf 32 geschätzt wird, gilt schon seit einigen Jahren als einflussreiche Beraterin ihres Bruders. Im März dieses Jahres hatte die Parteifunktionärin erstmals eine eigene politische Erklärung abgegeben. Darin reagierte sie mit Verbalattacken auf die Kritik Südkoreas an neuen nordkoreanischen Raketentests.

Der Vizevorsitzende der mächtigen Kommission für Staatsangelegenheiten in Nordkorea, Pak Pong Ju, sowie der neue Ministerpräsident Kim Tok Hun kontrollieren den Berichten zufolge jetzt den Wirtschaftssektor. Zwei weitere Parteikader für den militärischen Bereich hätten ebenfalls mehr Befugnisse erhalten.

Nordkorea will bei Parteikongress neuen Wirtschaftsplan vorstellen

Das wegen seines Atomwaffenprogramms international isolierte Nordkorea will mit einem neuen Fünf-Jahresplan die wirtschaftlichen Schwierigkeiten bewältigen. Das Zentralkomitee der in dem Land herrschenden Arbeiterpartei beschloss dazu am Mittwoch bei einem Treffen unter Vorsitz von Machthaber Kim Jong Un in Pjöngjang, den Plan bei einem neuen Parteikongress im nächsten Januar vorzulegen, wie die Staatsmedien am Donnerstag laut dpa berichteten. Die Teilnehmer räumten demnach ein, dass sich die Wirtschaft angesichts „unerwarteter vielfacher Herausforderungen“ nicht verbessert habe. Auch das Ziel, den Lebensstandard der Menschen spürbar zu erhöhen, sei nicht erreicht worden.

Beim achten Parteikongress solle die Arbeit des Zentralkomitees überprüft „und ein neuer Fünf-Jahresplan für die wirtschaftliche Entwicklung“ dargelegt werden, hieß es. Auch werde eine neue Führungsriege des Zentralkomitees gewählt.

Formal ist der Kongress, der ursprünglich alle fünf Jahre abgehalten werden sollte, das wichtigste Gremium der Partei. Doch war der siebte Kongress im Mai 2016 der erste seit 36 Jahren gewesen. Damals ließ sich Kim Jong Un auf den neu geschaffenen Posten des Parteivorsitzenden wählen, womit er seine Position an der Spitze der Partei zementierte.