Bei solchen Rekordzahlen von armen Frauen, Kindern, Rentnern, Ausländern und Niedriglohnsektor-Erwerbstätigen empfindet jeder gesunde Mensch Mitleid, Empathie, regt sich sein Helferinstinkt. Doch Sentimentalitäten helfen nicht weiter, um die Ursache des Problems anzugehen. Das mag kaltherzig klingen, insbesondere in der Corona-Krise. Aber die Zahlen zeigen, dass die Armut auch in den Wohlstandsjahren auf ähnlichem Niveau rangierte.

Die Forderung des paritätischen Wohlfahrtsverbands nach mehr Geld ist zu eindimensional gedacht. Denn Armut ist mehrdimensional, ebenso wie der Kampf dagegen. Dazu braucht es nicht nur den Staat, der mehr Geld ausschütten muss, sondern auch Menschen, die zu Schulabschlüssen, Ausbildung und Arbeitsfähigkeit verhelfen. Kurzfristig ist eine Finanzspritze sicher hilfreich, doch langfristig gesehen kann nur die Hilfe zur Selbsthilfe die Menschen befähigen, an ihrer Situation etwas zu ändern.

Auch weist die Statistik die üblichen Schwächen auf. Sie misst Armut nicht am Wohlstand des Einzelnen, sondern an der Gesamtverteilung. Die Berechnungsgrundlage führt dazu, dass es immer Arme geben wird. Nur wo alle gleich hungern, wäre die Armutsquote minimal. Auch ist die Frage legitim, ob Flüchtlinge, die aus absoluter Armut kommen, sofort nach Ankunft am hiesigen Standard der relativen Armut gemessen werden sollten. Das bedeutet nicht, dass ihre Armut dann egal ist, nur können bei einer offenen Gesellschaft die Parameter der Statistik nicht geschlossen sein.

Probleme kann man nur so lange mit Geld zuschütten, wie welches vorhanden ist. Damit die Barmherzigkeit nicht größer als das Steuersäckel sein muss, müssen die Ursachen angegangen werden. In Form von menschlicher Unterstützung, insbesondere für die, die noch nicht in der Lage sind, sich selbst zu helfen.