Berlin - Es hört es sich ein bisschen so an, als ob im legendären gallischen Dorf von Asterix eine Uni aufgemacht habe. Professx, ausgesprochen „Professix“, nennt sich Lann Hornscheidt von der Humboldt-Universität (HU) Berlin – und hat damit eine weitere Variante geschaffen im Bemühen, sprachliche Diskriminierungen von Geschlechtern zu vermeiden. Erst jüngst hatte der Beschluss der Uni Leipzig Aufsehen erregt, in Uni-Dokumenten nur noch „Professorin“ zu sagen, wenn das Geschlecht nicht eindeutig bekannt ist. Denn die herkömmliche Verwendung des Wortes „Professor“ habe alle weiblichen Lehrkräfte diskriminiert.

Lann Hornscheidt geht einige Schritte weiter und möchte mit der Form Professx alle Personen gleichermaßen fassen, sodass sich jeder wiederfinde – auch Leute, „die sich weder als Frau noch Mann fühlen“. In Hornscheidts Sprechstunde kämen zum Beispiel Studierende, „die nicht mehr in Lehrveranstaltungen gehen, weil sie immer als Herr oder Frau Sowieso angesprochen werden und sich diskriminiert fühlen“.

Sauber gegenderte Sätze

Im Internet wird Lann Hornscheidt, geboren 1965 im rheinischen Velbert, als Professorin für Gender Studies und Sprachanalyse an der HU Berlin vorgestellt. Sie studierte in Kiel, wo sie 1991 promovierte, war Gastwissenschaftlerin in Österreich, Finnland und Schweden. 1994 kam sie zum ersten Mal ans Nordeuropa-Institut der Humboldt-Uni. 2006 wurde sie hier Professorin. Bereits in den Jahren davor war sie zwei Mal für ihre herausragende Lehre ausgezeichnet worden.

Mit der „AG Feministisch Sprachhandeln“ entwickelte sie einen Leitfaden, der zeigen soll, dass Sprache kein bloßes Kommunikationsmittel, sondern immer auch Handlung sei, die Machtverhältnisse und Normen reproduziere. Auch in Geschlechterfragen. In einer Ausstellung wandelten Hornscheidt und Kollegen deshalb unter anderem den Song „Stand by your man“ von Tammy Wynette in „Stand by your trans“ um.

Sie wolle keine neuen Regeln aufstellen, sagt Hornscheidt. „Wir sagen nicht: So soll es sein. Wir sagen: So kann es sein.“ Bisherige Formen wie das Binnen-I in StudentInnen oder der Unterstrich in Student_innen reichen ihr aber nicht aus. Sie vermitteln ihrer Meinung nach nur: „Es gibt Frauen und Männer und dazwischen vielleicht noch ein paar andere Leute.“

Ein sauber gegenderter Satz könnte stattdessen lauten: „Dix Studierx hat in xs Vortrag darauf aufmerksam gemacht, dass es unglaublich ist, wie die Universität strukturiert ist, dass es nur so wenige schwarze Professxs gibt“ (ausgesprochen: „ikses“). Es verwundert nicht, dass manche sich über solche Formen lustig machen und man in anderen Medien Überschriften liest wie „Gender-Wahnsinn an der Humboldt-Uni“.

Man selbst kann als Journalix nur wieder selbstkritisch feststellen, wie bunt doch das Leben ist und wie schwer zu fassen mit der herkömmlichen deutschen Sprache, die nur ein Sie, Er oder Es kennt. Lann Hornscheidt sagt: „Ich möchte mich in der Anrede nicht als Frau oder Mann identifiziert finden.“ Deshalb für alle Fälle schon mal: Verzeihung!