Berliner Zeitung Generation Greta

TOCHTER: Du hast schon wieder Avocados gekauft. Ich dachte, wir wollten das lassen.

MUTTER: Du wolltest, dass ich das lasse. Ich liebe Avocados, ich will das nicht lassen.

Avocados brauchen unheimlich viel Wasser und dort, wo sie angebaut werden, wird dafür der Regenwald abgeholzt. Ich habe dir ein Video geschickt. Da wird genau erklärt, warum es schlecht ist, dass wir in Europa seit ein paar Jahren so unheimlich viele Avocados essen.

Ich fühle mich gemaßregelt. Wir ernähren uns besser als die meisten, kaufen viel bio, essen wenig Fleisch. Ich will nicht auf Avocados verzichten.

Finde ich blöd.

Hast du gewusst, dass die Avocado ein Regenwaldbaum ist. Sie gehört da hin.

Aber nicht in eine Plantage.

Viele Avocados, die in Europa verkauft werden, kommen mittlerweile aus Spanien. Da verbrauchen sie natürlich auch viel Wasser, aber es fällt ihnen kein Regenwald zum Opfer. Was, wenn wir Avocados nur bio und nur aus Spanien kaufen.

Hm. Aber nicht jede Woche.

Was kann es denn bewirken, wenn der einzelne weniger Avocado isst? Du findest doch, der einzelne soll durch sein Verhalten die Landwirtschaft und den Handel verändern.

Wenn viele einzelne Leute verzichten, ist es eine große Masse. Das bewirkt etwas.

Ich finde, das ist eine Überforderung. Man kann bei sich selbst anfangen und mit den Füßen abstimmen, aber das reicht nicht. Manche Sachen muss man durch Gesetze regeln.

Aber nur weil die Gesetze nicht existieren, heißt es nicht, dass man gar keine Eigenverantwortung zeigen muss. Das kann keine Entschuldigung sein. Nur weil es kein Avocado-Gesetz gibt, heißt es nicht, dass ich jeden Tag eine Avocado essen kann. Das ist obrigkeitshörig, wenn man auf ein Gesetz wartet. So will man doch auch nicht wahrgenommen werden.

Da hast du recht, man muss nicht auf Gesetze warten, um sein Verhalten zu ändern. Mich ärgert trotzdem, dass Regelungen fehlen. Dass es sie nur gibt, wenn der Protest sehr groß ist. Ich würde mir in der Landwirtschaft, beim Einsatz von Dünger und Pestiziden, bei der Massentierhaltung und der Verabreichung von Antibiotika stärkere Regulierung wünschen. Ich finde nicht, dass man diese Verantwortung dem Käufer des Endprodukts zuschieben kann. Die Politik muss stärker Regeln vorgeben.

Ja, weil der Umbau zum ökologischen Staat sonst nicht funktioniert. Aber woher soll die Politik denn wissen, dass das gewünscht wird, wenn alle in die Supermärkte laufen und das Billigste kaufen? Ich finde, man kann sich nicht über einen unökologischen Staat beschweren, wenn man gleichzeitig seine Eigenverantwortung nicht wahrnimmt.

Bei dem enormen Preisunterschied zwischen Bio- und konventionell hergestellter Ware kommt man nur mit gesetzlichen Standards weiter.

Ich ärgere mich auch, aber nicht über deinen Punkt. Ich finde es ärgerlich, wenn meine Bemühungen vom Staat zerstört werden. Wenn ich zum Beispiel freitags auf die Straße gehe und gegen Kohleabbau demonstriere. Eine Einigung wird auf den Weg gebracht, dann aber trotzdem ein neues Kohlekraftwerk eröffnet. Da würde ich mir dann auch mehr Regulierung wünschen.