„Greta und ich“-Kolumne.

TOCHTER: Nach den Ferien brauchst du morgens nicht mehr so früh aufzustehen. Wir sind alt genug. Wir finden schon in die Schule.

MUTTER: Das klappt doch nicht.

Wir sind keine kleinen Kinder mehr. Wir schmieren zwei Brote und fertig. Traust du mir das nicht zu?

Ich will dir keine Mutterrolle für deinen kleinen Bruder überhelfen.

Er ist 14! Es ist nicht viel Aufwand. Ich stell einfach einen Teller mehr hin. Den Rest muss er alleine machen. Du müsstest gar nicht um 6 Uhr morgens aufstehen.

Du hast schon so viele Zutaten einer klassischen Frauenrolle übernommen. Ich finde es falsch, wenn dir das zufällt, weil du ein Mädchen bist. Ich will dir keine Kümmerer-Jobs überhelfen.

In diesem Fall habe ich kein Problem. Dann kann ich meinen Bruder rumkommandieren.

Okay, ich erkenne den Reiz daran. Aber mal ernsthaft, findest du nicht, dass du schon sehr oft traditionelle Frauenaufgaben erledigst? Weil sie ein Mädchen ist, kann sie auch viel besser den Tisch abräumen?

Ja, das finde ich schon. Vielleicht nicht richtige Putzarbeit, das haben wir gut aufgeteilt, aber das, was nebenbei anfällt: den Geschirrspüler einräumen, die Herdplatte abwischen, die Töpfe mal richtig sauber machen. Da wäre es schon besser, wenn es jeder machen würde und nicht nur du und ich. Aber es passiert halt nicht.

Aber das ist doch richtig blöd. Wir haben das früher als Paar besser hingekriegt. Warum geht es wieder in die alten Rollenmuster zurück, wenn man Kinder bekommt? Das müsste doch nicht sein.

Vielleicht, weil es einfacher ist. Du hast dich sowieso schon mehr um uns gekümmert und dann ist es einfacher, auch noch schnell ein paar andere Sachen in der Küche zu erledigen, ohne sich immer absprechen und alles ausfechten zu müssen.

Aber dann bleibt der ganze Koch- und Putzkram ewig bei den Frauen hängen, fast so wie früher bei unseren Eltern und Großeltern.

Manches machst du aber auch freiwillig. Kochen macht dir Spaß. Aber du könntest dich aus dieser Schiene auch wieder lösen.

Da steht mir dann aber mein Perfektionismus im Weg. Ist mir alles nicht gut genug.

Das geht mir auch so. Deshalb räume ich auch die Küche auf.

Siehste, du bist schon in der Falle.

Aber es bleibt ja nur, entweder es sieht nicht alles schön aus und passt zum perfekten Timing oder man macht es selbst. Man muss eben entscheiden, was einem persönlich lieber ist. Aber es stimmt schon, was du sagst. Ich verteile dann Pseudoarbeiten: wisch mal den Tisch ab, stell mal vier Tassen hin. Der Aufwand ist größer, als wenn ich es schnell alleine mache. Ich mache das nur, damit ich mich nicht ausgenutzt fühle.

Es ist nicht angeboren, dass das Frauen machen.

Nee, aber anerzogen.

Das ist doch tragisch. Obwohl wir seit 40 Jahren Emanzipation haben. Obwohl ich auf keinen Fall solche Rollenmuster haben wollte, habe ich es geschafft, sie auf dich zu übertragen.

Es ist noch ein ziemlich weiter Weg, um von Gleichberechtigung zu Gleichbehandlung zu kommen. Eigentlich muss man sagen, nee, ich koche nicht. Ich putze nicht. Ich will lieber was zusammenschrauben. Aber dann musst du halt diese Scheißarbeit machen, wie Fahrrad reparieren, auch wenn du lieber kochen würdest. Nur um den feministischen Standpunkt klarzumachen. Teilen ist schwierig. Es muss ein Automatismus reinkommen, sonst musst du Buch führen und Kommandos geben. Das ist ja auch keine Gleichberechtigung. Und nervig. Und du musst einen Partner finden, der Kochen kann und will.

Ja, aber sonst gehst du genau denselben Weg wie ich.