Schutzmasken sind in der Corona Krise ein begehrtes Gut. Auch hier gibt es zu wenig Solidarität, findet die Tochter unserer Autorin.
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Mutter: Der Bundespräsident sagt, Familien erleben mit Corona gerade eine belastende Zeit. Das kann ich mir gut vorstellen. Bestimmt kommt es in vielen Familien zu mehr Streit, weil alle so aufeinander hocken. Mir kommt dabei aber noch ein anderer Gedanke. Wir rücken als Kernfamilie gerade noch mal viel enger zusammen als bisher. Wir streiten nicht, wir verbringen viel mehr Zeit miteinander. Und das finde ich eigentlich sehr schön.

TOCHTER: Ja, klar. Wir machen viel zusammen. Wir kochen, gucken Filme zusammen. Aber ich hoffe trotzdem darauf, dass die Kontaktverbote jetzt nur noch bis zum Ende der Osterferien bleiben. Wenn dann die Schule nicht wieder losgeht, wird mein „ich halt jetzt durch“ auch irgendwann zu Ende sein. Dann werde ich kein Bock mehr haben. Dann wird es auch mehr Konflikte geben, und wir kriegen alle ’nen Koller.

Du bist ungeduldig. Kann ich verstehen. Deine Entwicklung ging gerade von uns weg. Du müsstest dich in erster Linie mit anderen Leuten befassen und nicht mit deinen Eltern. Mit Lehrern, Freunden, jungen Erwachsenen.

Alles ist gebremst. Rausgehen und neue Leute treffen geht nicht.

Ich empfinde auch vieles als belastend. Aber die Enge erzeugt auch größere Nähe. Ich finde die Erfahrung, dass so eine Krise auch einen größeren Zusammenhalt erzeugen kann, absolut interessant. Und das ist ja im Großen auch so. Wir sind eine globale Schicksalsgemeinschaft. Alle müssen mit diesem Virus umgehen, und das geht nur zusammen. Ich verspreche mir davon auch langfristig einen anderen Umgang miteinander. Vielleicht werden die Staaten zusammenrücken.

Das würde ich bezweifeln. Momentan macht jedes Land, was es will. Man streitet sich um die letzten Atemschutzmasken. Keiner gönnt dem anderen was. Höchstens werden mal ein paar Sanitäter nach Italien geschickt, aber sonst sitzt Deutschland auf dem Geld und macht nichts. Das ist drastisch. Ich sehe da wenig Solidarität. Nicht nur Deutschland ist so, auch international. Ich sehe es eher als Rückfall, dass wir nicht mehr solidarisch miteinander umgehen. Die Krise zeigt, wie egoistisch man ist, wenn man nicht vorbereitet ist.

Das gibt es. Aber es gibt auch ein großes Miteinander. Allen ist klar geworden, dass wir das nur überstehen, wenn wir uns gut absprechen und gemeinsam handeln.

Ich sehe null Solidarität. Es wird doch ewig nur über Geld diskutiert.

Die Auseinandersetzung gehört aber dazu, um einen Weg zu finden.

Ich glaube, die Solidarität zu Nachbarn, Medizinpersonal, den Ältern wächst. Aber zwischen den Nationen ist angesagt, jeder für sich, und wer sich durchsetzen kann, kriegt die meisten Schutzmasken.