Bischof Georg Bätzing.
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MainzDass die deutschen Bischöfe am Dienstag in Mainz den Limburger Bischof Georg Bätzing zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt haben, ist richtungsweisend für die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland. Denn wie in Rom, wo die Kurie in Anhänger und Gegner von Papst Franziskus gespalten ist, ringen auch hierzulande reformfreudige Kirchenleute mit ihren konservativen Gegnern.

Das Lager der Modernisierungsfeinde und Glaubens-Bewahrer wird vom früheren Berliner und jetzigen Erzbischof von Köln,  Rainer Maria Woelki angeführt. Es lehnt Reformbestrebungen ab, wie sie der bisherige Chef der Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, mühsam auf den Weg gebracht hat.

Im Mittelpunkt steht das „Synodaler Weg“ getaufte Modell, bei dem einfache Gläubige mit den Bischöfen beraten, wie die Kirche künftig dem sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen  durch Geistliche vorbeugen kann. Die männerdominierten Machtstrukturen der Kirche sollen dabei ebenso hinterfragt werden wie die Ehelosigkeit von Priestern und die vom Vatikan diktierte Sexualmoral.

Aufarbeitung soll weiter gehen

Viele Katholiken haben sich wegen des zögerlichen Umgangs mit den Missbrauchs-Skandalen und einer unzureichenden Entschädigung der Opfer von der Kirche abgewandt. Bätzing, der nun  die kommenden sechs Jahre Sprecher der Bischofskonferenz ist, garantiert die Fortführung von Reformprozessen. Die weitere Aufarbeitung der Missbrauchsfälle und der Synodale Weg seien vorrangige Aufgaben, versicherte er nach seiner Wahl: „Dafür stehe ich ganz und gar.“

Auch die Ökumene, also der Dialog mit der evangelischen Kirche, habe Priorität. Christen könnten nur konfessionsübergreifend eine Zukunft haben. Bätzing betonte auch, es sei weiter eine Kernaufgabe der Kirche, gegen gegen Rassismus und Hetze in Deutschland aufzustehen.

Der 58 Jahre alte, aus dem Westerwald stammende Bätzing ist einer der jüngeren unter den 69 Mitgliedern der zwei Mal jährlich tagenden Vollversammlung der Bischofskonferenz. Er gilt als Mann des Ausgleichs und hat diese Fähigkeit im Bistum Limburg unter Beweis gestellt. Dort löste er vor vier Jahren den Skandal-Bischof Franz-Peter Tebartz van Elst ab, der Kirchenvermögen für eine 31 Millionen Euro teure Residenz ausgeben und sich eine 285 Quadratmeter große Dienstunterkunft mit Regenwalddusche und Fitnessraum gegönnt hatte. Bätzing bezog  die  Wohnung demonstrativ nicht. Mit einem bescheidenen, offenen und kommunikativen Auftreten baute er nach und nach wieder Vertrauen auf.