Berlin - Georg Pazderski, Berlins AfD-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, ist wütend und das vor allem auf die Berliner Spitzenkandidatin Kristin Brinker. Sie trägt nach seiner Auffassung eine Mitverantwortung für die miserablen Wahlergebnisse am Sonntag. „Das Ergebnis für Berlin ist eine veritable Katastrophe“, sagte Pazderski am Montag. In Berlin holte seine Partei nur noch 8 Prozent. Die Fraktion schrumpfte von ursprünglich 25 Abgeordneten auf 13. Die AfD wird nicht mehr sieben Stadträte wie bisher, sondern nur noch vier stellen.

„Es war ein Fehler, in Berlin mit einer Spitzenkandidatin in den Wahlkampf zu ziehen, die nicht nur ohne Erfahrung bei der Planung und Durchführung von Wahlkämpfen war, die den meisten Berlinern auch völlig unbekannt geblieben ist“, sagte Pazderski. Hinzu kämen „dubiose Umstände bei der Nominierung der Kandidatin durch eine erfundene Finanzaffäre, um innerparteiliche Gegner aus dem Weg zu räumen“ sowie „das schwesterliche Verhältnis“ im Umgang mit dem ehemaligen Flügel. Das alles habe den Wahlkampf stark beeinträchtigt.

Die AfD sei im Wahlkampf nicht deutlich genug gewesen, sagte der Fraktionschef. Sie habe ihre Ecken und Kanten nicht gezeigt. „Anders als 2016 gab es eigentlich nichts, wo man sagen könnte, die AfD habe eine klare Forderung in bestimmten Bereichen.“

Der Spitzenkandidatin warf Pazderski ihr „enges Verhältnis“ zum ehemaligen rechtsextremen Flügel der Partei und zur Querdenker-Bewegung vor. Das habe viele Wähler abgeschreckt. In der Tat verlor die AfD mehr als 90.000 Stimmen an andere Parteien. Laut Landeswahlleiterin holte die Partei bei der jüngsten Wahl nur 145.494 Stimmen.

Kritik an Nähe zu Verschwörungstheoretikern

Kritik übte der Fraktionschef nicht nur an Kristin Brinker, sondern generell an seiner Partei: Während der Corona-Krise habe es „durch manche in der Partei“ eine Annäherung an Verschwörungstheoretiker gegeben. „Das war untauglich, konservative Wähler für die AfD zu begeistern.“

Der ehemalige Oberst der Bundeswehr, der als gemäßigt gilt, forderte eine Abgrenzung seiner Partei zum rechten Rand. „Die neue Fraktion in Berlin muss entscheiden, ob sie der Wahlverliererin Kristin Brinker den Fraktionsvorsitz anvertrauen will. Tut sie es, wird sie weiter an Gewicht verlieren. Denn der konfliktscheue Kurs von Frau Brinker und ihr stark beschädigtes Image werden dafür sorgen, dass die AfD-Fraktion in der Öffentlichkeit kaum noch stattfindet.“

Georg Pazderski wollte dieses Mal selber in den Bundestag. Allerdings scheiterte er, weil nur die ersten drei der Berliner Liste dort einziehen, er aber auf Platz vier stand.