Ein geregelter Tagesablauf, Sicherheit: Das ist für viele junge Leute heutzutage erstrebenswert.
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TOCHTER: In der Schule nehmen wir gerade den amerikanischen und dem deutschen Traum durch. Nach dem amerikanische Traum kann man alles erreichen, egal, aus welcher Schicht man kommt, welche Hautfarbe man hat, man muss nur genug arbeiten. In Deutschland möchten die meisten jungen Menschen, die ins Berufsleben einsteigen, ein übersichtliches Leben, das finanziell abgesichert ist. Sie wollen Beamter oder Bankkaufmann werden, so dass sie Beruf und Familie verbinden können. In Amerika sind die Leute risikobereit, wollen Unternehmer werden, arbeiten auch mehr.

MUTTER: Der amerikanische Traum ist eine gängige Vorstellung. Worauf beruhen denn die Erkenntnisse über den deutschen Traum?

Wir haben uns mit einer Studie zur Jugend befasst, darin wurden Lebensträume junger Leute zwischen 18 und 21 Jahren abgefragt. Ich habe Leute in meinem Alter gefragt, was sie später mal machen wollen und die haben dann gesagt, vielleicht eine Ausbildung bei der Bank. Da habe ich mich gefragt, warum? Sie haben alle Möglichkeiten, können studieren, in die Welt gehen, aber sie entscheiden sich für so was Langweiliges, nur weil es Geld bringt. Ich verstehe nicht, wie man sich wünschen kann, dass alles übersichtlich sein soll. Ich finde die Vorstellung Einfamilienhaus und zwei Kinder ziemlich langweilig. Gar nicht das, was ich machen will.

Ja, erstaunlich. Der Wunsch nach Sicherheit scheint groß zu sein.

Aber wir leben ja gar nicht in unsicheren Zeiten.

Jedenfalls nicht abseits von Corona. Du bist so überrascht. Ich finde es ja schon länger interessant, dass so konservative Dinge wie Heiraten in Weiß wieder angesagt sind. Dass die jungen Leute in eheähnlichen Beziehungen leben, wo alles durchorganisiert ist und sie abends gemeinsam auf dem Sofa sitzen.

In jungen Jahren ein geregeltes Leben? Kann ich nicht nachvollziehen. Das erste, das ich nach der Schule machen werde, ist ins Ausland gehen. Kein geregelter Tag. Will ich nicht.

Aber woran liegt es bei den anderen?

Viele trauen sich nicht. Sie denken, die Welt sei zu komplex.

Ich glaube ja eher, dass viele es zu Hause zu bequem haben und das auch nicht aufgeben wollen. Früher war man fertig mit der Schule und dann hat man sich umgesehen. Jetzt nehmen Eltern ihre Kinder an die Hand vom Kindergarten bis ins Studium oder den Beruf hinein. Sie fahren sie hin und her und regeln alles für sie. Offenbar gefällt das vielen.

Wenn man nichts anderes gewöhnt ist, noch nie selber ein Problem gelöst hat, macht Einem Ungewissheit Angst. Aber gerade dann sollte man diese Erfahrung mal machen.