Berlin/LondonJohnny Depp hat seinen Verleumdungsprozess gegen die britische Zeitung „The Sun“ verloren. In dem Verfahren ging es um einen Artikel des Boulevardblatts aus dem Jahr 2018, in dem Chefredakteur Dan Wootton den Schauspieler als „Ehefrauen-Schläger“ bezeichnet hatte. Der Artikel sei „im Wesentlichen wahr“ gewesen, befand am Montag Richter Andrew Nicol vom Londoner High Court in seiner online veröffentlichten Urteilsverkündung. Dem Urteil nach darf also weiterhin behauptet werden, Depp habe seine Ex-Frau Amber Heard, 34, körperlich misshandelt.

Depp ließ unterdessen ankündigen, das Urteil anzufechten. „Das Urteil ist so fehlerhaft, dass es lächerlich wäre, wenn Herr Depp keinen Einspruch einlegen würde“, teilte seine Anwältin Jenny Afia mit. Das Gericht habe sich ausschließlich auf die Aussagen von Depps Ex-Frau verlassen und Gegenbeweise von Polizei, Medizinern und anderen Zeugen ignoriert. Unter anderem die Aussage von Depps langjährige Freundin Winona Ryder: „Ich kenne ihn nur als einen wirklich guten, liebevollen, fürsorglichen Kerl, der die Menschen, die er liebt, sehr, sehr beschützt.“

Der Promi-Prozess am High Court hatte im Juli für weltweite Aufmerksamkeit gesorgt und sich zum Rosenkrieg zwischen den beiden Schauspielern ausgewachsen. Wochenlang zeichneten Depp („Fluch der Karibik“) und seine 23 Jahre jüngere Ex-Ehefrau („Zombieland“) das Bild einer zutiefst zerstörerischen Beziehung. Dabei sparten sie und ihre Anwälte nicht mit deftigen Details aus der turbulenten und offenbar gewaltsamen, gerade mal 15 Monate währenden Ehe.

Showdown in London: Am 22. Juli erschien Amber Heard vor dem High Court.
Foto: AFP/Niklas Hallen

Der Boulevard kam voll auf seine Kosten. Die Schauspielerin hatte vor Gericht ausgesagt, sie habe Todesangst vor Depp gehabt: Er habe sie oft angeschrien, getreten und sogar gewürgt. Der Beschuldigte hatte wiederum behauptet, seine Ex-Frau sei selbst gewalttätig gewesen. Sein Anwalt nannte Heard zum Abschluss sogar eine „zwanghafte Lügnerin“. Völlig unstrittig war im Prozess: Depp litt immer wieder unter seiner Drogen- und Alkoholsucht. Auch er selbst räumte das ein.

Bedeutung für die MeToo-Bewegung

Der Rechtsstreit hatte auch für die MeToo-Bewegung und ihren wichtigen Kampf gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt einige Bedeutung. Denn hätte sich Depp vor Gericht mit seiner Behauptung durchsetzen können, selbst das Opfer häuslicher Gewalt geworden zu sein, dann hätte dies bedeutet, dass Heard missbräuchlich den Opferstatus für sich in Anspruch nahm – um ein hohes Schmerzensgeld zu bekommen – und somit der Frauenbewegung einen Bärendienst erwies.

Depp zählt zu den bestbezahlten Schauspielern Hollywoods. Der Verdacht lag also nahe. Wie auch immer, in dem Streit ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Depp hat auch in den USA wegen der Gewaltvorwürfe gegen ihn eine Verleumdungsklage eingereicht. Er klagt dort aber direkt gegen Heard. Sie hatte in der „Washington Post“ über ihre Gewalterfahrungen berichtet – ohne Depp jedoch beim Namen zu nennen.

Dort hatte sie geschrieben: „Ich spürte den machtvollen Zorn unserer Kultur gegen all jene Frauen, die den Mund aufmachen … Ich hatte die seltene Gelegenheit, in Echtzeit zu sehen, wie die Institutionen solche Männer schützen, denen Missbrauch vorgeworfen wird … In den letzten Jahren hat uns die MeToo-Bewegung gezeigt, wie diese Macht funktioniert, nicht nur in Hollywood.“ Fortsetzung folgt.