Kundus - Afghanische Sicherheitskräfte haben einen Angriff der Taliban auf Kundus abgewehrt, wo auch die Bundeswehr stationiert ist. Die Taliban wurden mit Unterstützung der US-Streitkräfte bis Sonntag aus der Stadt im Norden des Landes vertrieben, wie das afghanische Innenministerium mitteilte.

Verletzt wurde niemand

Bei dem Angriff wurde auch das Camp Pamir beschossen, in dem deutsche Soldaten stationiert sind. Verletzt wurde niemand. Derweil stehen die Friedensverhandlungen der USA mit den Taliban nach US-Angaben kurz vor dem Durchbruch.

Bei den Angriffen seien am Samstag insgesamt acht Geschosse auf das bei Kundus gelegene Camp Pamir abgefeuert worden, erklärte das Einsatzkommando der Bundeswehr. Vier davon seien im Camp eingeschlagen. Deutsche Soldaten seien nicht verletzt worden.

Taliban griff Kundus von mehreren Richtungen an

Derzeit befänden sich „80 deutsche Kräfte“ im Camp Pamir. Die Kämpfer der radikalislamischen Taliban hatten die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Kundus nach Regierungsangaben am frühen Samstagmorgen aus mehreren Richtungen angegriffen.

Die afghanischen Luftstreitkräfte flogen mindestens fünf Angriffe. Auch die US-Luftwaffe griff die Taliban an. In vier Stadtgebieten von Kundus waren Schüsse aus leichten und schweren Waffen zu hören, wie ein AFP-Reporter berichtete.

Die Taliban seien aus den Gebieten vertrieben worden

Spezialkräfte trafen in Kundus ein, um die Taliban zurückzudrängen. Nach stundenlangen Gefechten wurde der Angriff bis Sonntag nach Angaben eines Sprechers des afghanischen Innenministeriums abgewehrt. Die Stadt Kundus sei frei von Taliban-Kämpfern, sagte Sprecher Nasrat Rahimi der Nachrichtenagentur AFP.

Die Taliban seien aus den Gegenden, die sie zuvor eingenommen hatten, vertrieben worden. Die Lage in der Stadt habe sich normalisiert. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid bestritt diese Darstellung. Die afghanischen Regierungsangaben seien „Propaganda“ und „nicht wahr“, sagte er zu Journalisten.

Die Taliban würden ihre Positionen in Kundus weiter halten. Im September 2015 hatten die Taliban in Kundus für etwa zwei Wochen die Kontrolle übernommen. Die afghanischen Sicherheitskräfte konnten die Stadt erst mit Unterstützung massiver US-Luftangriffe zurückerobern. Seitdem haben die Taliban immer wieder Angriffe auf die strategisch wichtige Stadt nahe der Grenze zu Tadschikistan gestartet.

USA und Taliban trotz Angriffs vor Friedensabkommen

Es ist ihnen aber nicht mehr gelungen, die Stadt vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. In Kundus befand sich während des Nato-Einsatzes in Nordafghanistan das Feldlager der Bundeswehr. 2013 übergaben die deutschen Truppen das Lager nach zehn Jahren an afghanische Sicherheitskräfte.

Trotz des Taliban-Angriffs vom Wochenende stehen die USA und die Islamistenmiliz an der „Schwelle“ eines Friedensabkommens, wie der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter erklärte.

USA will Streitkräfte nicht abziehen

Die Vereinbarung werde die Gewalt reduzieren und den Afghanen die „Tür zur Aushandlung eines ehrenwerten und nachhaltigen Friedens öffnen“. Der US-Diplomat kündigte zudem an, im Laufe des Tages zu „Beratungen“ nach Kabul zu reisen.

Die USA, die vor fast 18 Jahren in Afghanistan einmarschiert waren, verhandeln seit einem Jahr mit den Taliban über ein Ende des Konflikts. US-Präsident Donald Trump hatte am Donnertag angekündigt, dass auch nach einem möglichen Friedensabkommen mit den Taliban zunächst 8600 US-Soldaten in dem Land bleiben sollen.

Ein Sprecher von Afghanistans Präsident Aschraf Ghani erklärte, der Taliban-Angriff auf Kundus zeige, dass die Miliz „nicht an die von den USA und Afghanistans Regierung angebotenen Chance auf Frieden glaubt“. (afp)