Berlin - Es gibt viele Dinge im Leben, die einen Versuch wert sind. Vielleicht gehört die Gesichtserkennung an Bahnhöfen oder Flughäfen dazu. Sich einen Nutzen davon zu versprechen, ohne Schäden einzukalkulieren, wäre aber naiv.

Der den Verantwortlichen vorschwebende Idealfall ist, dass ein bekannter islamistischer Gefährder eines Tages – sagen wir: am Flughafen Tegel – auftaucht, von einer der zahlreichen Kameras erkannt wird, die wiederum einen Alarm auslösen, so dass der geplante Anschlag vereitelt und der Täter festgenommen werden kann. Doch selbst wenn die Gesichtserkennung reibungslos funktionieren würde, könnte der Täter schneller sein. Es könnte ein Täter sein, der gar nicht als Gefährder bekannt und deshalb nicht gespeichert ist.

Praktische und prinzipielle Einwände

Täter würden überdies an andere Orte ausweichen, wo es entweder keine Kameras oder keine Polizisten gibt. Gesichtserkennung dürfte letztlich ähnlich wirken wie Videoüberwachung. Sie dürfte schwere Straftaten nicht verhindern, aber die Strafverfolgung erleichtern. Neben den praktischen gibt es prinzipielle Einwände. Längst werden alle Schritte unseres Lebens digital erfasst: mit wem wir telefonieren, auf welchen Web-Seiten wir surfen, wo und was wir einkaufen.

Auch der Staat wird wissbegieriger. Der Katalog der Straftaten, zu dessen Aufklärung Vorratsdatenspeicherung genutzt werden kann, wurde ausgeweitet. Seit kurzem dürfen die Sicherheitsbehörden Staatstrojaner auf Computer Verdächtiger aufspielen, um Messenger-Dienste zu überwachen und Festplatten auszuspähen. Der gläserne Mensch ist real.

Abgesehen davon, dass die Gesichtserkennung genau wie die Vorratsdatenspeicherung noch verfassungsrechtlich geprüft würde: Die Bürger müssen sich überlegen, ob sie etwaige Vorteile der Technologie mit sicheren Nachteilen bezahlen wollen. Zweifel sind angebracht.