Dresden - Nach der Ermittlungspanne um den in Dresden getöteten Asylbewerber Khalid Idris Bahray aus Eritrea muss sich die Polizei immer mehr Kritik gefallen lassen. „Das ist eine unglaubliche Schlamperei; sie muss personelle Konsequenzen haben“, sagte der Rechtsanwalt und Vertreter der Nebenklage im Münchener NSU-Prozess, Mehmet Daimagüler, der Berliner Zeitung. Die Aufklärung werde erheblich erschwert, weil die Spurensicherung nicht mehr ordnungsgemäß möglich sei.

Der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Jan Korte, sagte: „Es ist zu klären, warum zunächst gesagt worden ist, dass es sich nicht um ein Gewaltdelikt handelt. Das wirft viele Fragen auf.“ Schon am Donnerstag hatte der Grünen-Politiker Volker Beck Anzeige gegen Unbekannt wegen möglicher Strafvereitelung im Amt gestellt.

Idris Bahray war am Dienstag tot im Innenhof einer Dresdner Wohnsiedlung gefunden worden. Ganz in der Nähe lebte er zusammen mit anderen Asylbewerbern im Stadtteil Leubnitz-Neuostra in einer Wohngemeinschaft. Eine Obduktion hatte am Mittwoch ergeben, dass der 20-Jährige einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen war. Laut Polizei wurde er durch mehrere Messerstiche in Hals und Brust getötet. Am Vortag hatte es zunächst geheißen, es gebe keine Anhaltspunkte für ein Fremdeinwirken. Erst 30 Stunden nach der Tat wurde die Spurensicherung an den Tatort geschickt.

Freunde von Khalid Idris Bahray haben für Sonnabend um 15 Uhr zu einer Demonstration auf dem Albertplatz in Dresden aufgerufen.