In Deutschland häufen sich die Übergriffe auf Ukrainer und deren Besitz. So wurden in der Nacht zum Sonnabend in Bremen mehrere Fahrzeuge mit ukrainischen Kennzeichen von Unbekannten beschädigt, wie die Bremer Polizei am Sonntag mitteilte. Zunächst seien in der Nacht zum Sonnabend in zwei benachbarten Straßen an fünf Wagen die Reifen zerstochen worden. In der Nacht zum Sonntag seien dann in einem anderen Stadtteil an zwei Autos Fensterscheiben und Scheinwerfer eingeschlagen worden. In allen Fällen hatten die Autos den Angaben der Polizei zufolge ukrainische Kennzeichen. In der Nähe geparkte Autos mit deutschen Nummernschildern blieben hingegen unversehrt.

Übergriffe auch in Berlin

Der Fall ist das neueste Beispiel in einer Serie von Übergriffen auf Ukrainer und ihr Eigentum in Deutschland. Auch in Berlin ist es bereits zu Sachbeschädigungen an Fahrzeugen mit ukrainischen Kennzeichen gekommen. Erst am Donnerstag war ein Auto mit Kennzeichen aus der Oblast Donezk in Brand gesteckt worden. Sowohl in Bremen wie auch in Berlin hat der polizeiliche Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Dieser wird aktiv, wenn eine politisch motivierte Tat vermutet wird.

Doch es bleibt nicht allein bei Taten gegen Fahrzeuge und Gegenstände. Bereits Mitte März hatte es während einer Demonstration von Coronaleugnern am Brandenburger Tor einen Übergriff auf eine ukrainische Geflüchtete gegeben. Die Frau hatte einen Sticker mit dem Wappen der Ukraine getragen. Ein Mann war daraufhin auf sie zugekommen und hatte ihr den Sticker mit Gewalt entfernt. Der Vorfall war von der ukrainischen Organisation Vitsche bei Instagram gemeldet worden.

Wenige Tage später folgte ein Angriff auf einen Ladeninhaber in Charlottenburg. Er hatte eine ukrainische Flagge an seiner Werkstatt hängen. Der Angreifer beschädigte zunächst die Fassade und das Holztor der Werkstatt und ging schließlich noch auf den Besitzer des Ladens los. Der konnte ihn überwältigen und den stark alkoholisierten Mann der Polizei übergeben.

Russe geht auf Ukrainer mit Radschlüssel los

Auch in Sachsen gab es einen gewaltsamen Übergriff auf einen Ukrainer. Der Pastor Sergey Kosyak war in Bautzen an einer Ampel angegriffen worden. Der Täter, ein 69-jähriger russischer Staatsbürger, hatte einen Radschlüssel aus dem Kofferraum geholt und war auf das Auto des Ukrainers zugestürmt. Auslöser: Der Pastor hatte eine kleine ukrainische Flagge an seinem Auto befestigt.

In Hamburg hatte Anfang April ein betrunkener 46-jähriger Russe einen weiteren ukrainischen Pfarrer vor seinem Haus angegriffen, beleidigt und zuvor bereits im Garten des Anwesens randaliert.

Ukrainer wünschen sich konsequentes Vorgehen

Angesichts der Vorfälle wünscht sich Rostyslav Sukennyk ein konsequenteres Eingreifen der Behörden. „Ich wünsche mir, dass Polizei und Justiz auch gründlich untersucht, ob diese Vorfälle stattfanden, weil die Opfer Ukrainer waren, und wenn dann entsprechend reagieren“, sagt der Sprecher des Dachverbandes der ukrainischen Organisationen in Deutschland. Er mache sich besonders Sorgen um Geflüchtete. „Diese Menschen sind vor Krieg und Gewalt geflohen und werden hier wieder angegriffen“, sagt er. Weiteres Kopfzerbrechen bereitet ihm, dass die Gewalt oft von Russen, Russlanddeutschen und sogenannten Putinverstehern ausgeht. „Zu den Vereinen und Organisationen dieser Menschen muss man gehen und sie aufklären. Und es muss verhindert werden, dass sie von der russischen Propaganda so massiv beeinflusst werden“, sagt er. Dann könnten Fälle von Gewalt gegen Ukrainer in Deutschland besser verhindert werden.