New York - US-Präsident Trump hat seine erste Reaktion auf die rechtsextreme Gewalt in Charlottesville verteidigt. Beide Seiten, die Rechtsradikalen wie die Gegendemonstranten, hätten Schuld an der Eskalation, sagte er am Dienstag bei einer Pressekonferenz in New York.

Damit kehrte Trump zu seiner umstrittenen Position vom Wochenende zurück, bei der er eine klare Schuldzuweisung zunächst vermieden hatte. Beifall erhielt er dafür vom früheren Anführer des Ku Klux Klans, David Duke.

Am Samstag hatten in Charlottesville im Bundesstaat Virginia Mitglieder mehrerer rechter Gruppen demonstriert; Auslöser war die geplante Entfernung eines Denkmals für einen General der Konföderierten-Armee, die während des Bürgerkriegs für die Beibehaltung der Sklaverei gekämpft hatte. Eine 32-jährige Frau wurde getötet, als ein 20-jähriger mutmaßlicher Neonazi sein Auto offenbar absichtlich in eine Gruppe von Gegendemonstranten steuerte.

Gewalt auf „vielen Seiten“

In einer ersten Reaktion hatte Trump zunächst von Gewalt auf „vielen Seiten“ gesprochen. Erst nach heftigen Protesten auch aus seiner eigenen Partei distanzierte er sich dann am Montag eindeutig von der rechtsextremen Gewalt.

Auf die Frage, warum er dafür zwei Tage gebraucht habe, sagte der sichtlich genervte US-Präsident am Dienstag, er habe kein „schnelles Statement“ abgeben, sondern zunächst alle Fakten abwarten wollen. Er habe „sehr genau hingeschaut, sehr viel genauer als die meisten Leute“.

Beide Gruppen in Charlottesville seien aggressiv gewesen. Dies wolle nur niemand zugeben. Trump bezeichnete den 20-jährigen Täter als „Schande für seine Familie und sein Land“. Gleichzeitig aber sagte er, viele Menschen hätten friedlich und „völlig rechtmäßig“ gegen die Entfernung einer „sehr wichtigen Statue“ demonstriert.

„Ich frage mich, kommt George Washington in der nächsten Woche dran? Und Thomas Jefferson in der Woche darauf“, fügte er aufgebracht hinzu. An der Pressekonferenz nahm auch Trumps neuer Stabschef John Kelly teil. Er wirkte wenig erfreut über die Tiraden des Präsidenten. Zu dem Aufmarsch in Charlottesville hatten mehrere Gruppierungen vom extrem rechten Rand aufgerufen - unter ihnen der rassistische Ku Klux Klan und die Alt-Right-Bewegung, die Trump im Präsidentschaftswahlkampf unterstützt hatte.

Als Trump-Anhänger zu erkennen

Manche Teilnehmer des Aufmarsches gaben sich auf Mützen und T-Shirts als Trump-Anhänger zu erkennen. Ex-Ku Klux Klan-Chef Duke, eine der Schlüsselfiguren der Kundgebung, dankte Trump nach dessen Pressekonferenz für seinen „Mut, die Wahrheit“ zu sagen und „die linken Terroristen zu verurteilen“. Dagegen erntete der Präsident erneut harsche Reaktionen von Politikern aus allen Lagern.

Der Basketballstar LeBron James twitterte, dank Trump sei „Hass wieder schick“.

Nach mehreren Unternehmensführern verließ nun auch der Chef des größten Gewerkschaftsdachverbands AFL-CIO, Richard Trumka, den Industrie-Beirat, der Trump bei der Schaffung von Arbeitsplätzen unterstützen soll. „Wir können nicht dem Beirat eines Präsidenten angehören, der Intoleranz und heimischen Terrorismus toleriert“, erklärte Trumka.

Der Präsident reagierte auf den Rückzug der Wirtschaftsführer verärgert, er bezeichnete sie als „Wichtigtuer“, die sich dem Gremium gar nicht hätten anschließen sollen. Auf jeden von ihnen kämen „viele andere“, um ihren Platz einzunehmen. Auf der Pressekonferenz verteidigte Trump auch seinen Chefstrategen Steve Bannon, dessen einstiges Internet-Portal „Breitbart News“ für das Erstarken der antisemitischen und rassistischen Alt-Right-Bewegung mitverantwortlich gemacht wird.

Er möge Bannon, dieser sei ein Freund und „kein Rassist“. Zur Zukunft Bannons im Weißen Haus äußerte er sich aber nur vage. US-Medien hatten zuvor berichtet, Bannon stehe möglicherweise kurz vor der Entlassung. (AFP)