Gewalt in der Türkei: Terrorserie erschüttert Türkei - mindestens neun Tote

Istanbul - Die Gewalt in der Türkei eskaliert bislang vor allem im mehrheitlich kurdischen Südosten des Landes. Dass aber auch die Metropolen nicht sicher vor Terror sind, zeigt sich am Montag. Vor einer Polizeistation in Istanbul detoniert in der Nacht eine Autobombe, kurz danach greifen Bewaffnete die Wache an. Wenig später wird das US-Konsulat in der Millionenstadt beschossen. Im südosttürkischen Sirnak geraten Polizisten in eine Sprengfalle, in derselben Provinz wird ein Hubschrauber beschossen. Die blutige Bilanz: mindestens neun Tote noch vor Montagmittag.

An kleinen Dingen in Istanbul lässt sich ablesen, wie die Angst vor Anschlägen in der größten Stadt des Landes zugenommen hat: So stehen am Eingang zum Einkaufszentrum Demirören in der Istiklal Caddesi – der beliebtesten Fußgängerzone des Landes – neuerdings Metalldetektoren. Ende vergangenen Monats teilte das Auswärtige Amt mit, es gebe „Hinweise auf mögliche Anschläge auf die U-Bahn und Bushaltestellen in Istanbul“. Viele Istanbuler zögern, bevor sie Massenveranstaltungen besuchen, die zum Anschlagsziel werden könnten. Dennoch läuft das öffentliche Leben in Istanbul weiter. Trotz der angespannten Lage werden Einkaufszentren besucht und wird U-Bahn gefahren. Und am Sonntag versammelten sich Tausende bei einem „Friedenstreffen“ in Istanbul, zu dem unter anderem die prokurdische Oppositionspartei HDP aufgerufen hatte. Der Co-Vorsitzende der HDP, Selahattin Demirtas, hatte an die Regierung und die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK appelliert, die Gewalt zu beenden. „Die PKK muss sofort ihren Finger vom Abzug nehmen“, forderte Demirtas. Die Regierung müsse Verhandlungen aufnehmen.

Zu den Angriffen in Istanbul bekannten sich linksextreme Gruppen. Wie groß der Wahrheitsgehalt dahinter ist, ist unklar. Die Fronten in der Türkei sind unübersichtlich: Die linksextreme Terrororganisation DHKP-C verübt immer wieder Anschläge, ein Selbstmordattentäter sprengte sich 2013 vor der US-Botschaft in Ankara in die Luft. Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK greift inzwischen täglich Sicherheitskräfte an. Befürchtet werden auch Anschläge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die für ein Selbstmordattentat im südtürkischen Suruc mit 33 Toten im Juli verantwortlich gemacht wird.

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