Athen/Berlin - Den griechischen Bruce Willis kündigt Günther Jauch in seiner Talkshow an, vielleicht lassen sich so ja ein paar „Tatort“-Zuschauer ködern. Es ist aber dann doch kein Action-Schauspieler, sondern der griechische Finanzminister, der geladen ist. Er hat nicht ins Berliner Studio reisen müssen, sondern darf in Athen vor einem Bücherregal sitzen. Er ist trotzdem die Hauptfigur an diesem Abend.

Jauch arbeitet seinen Fragekatalog ab, er pendelt dabei zwischen Ehrfurcht und Herablassung. Die anderen Studiogäste sind die Statisten. Die Pöbler von der Seitenlinie geben Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) und Ex-Deutschlandfunk-Intendant Ernst Elitz, der mittlerweile für die „Bild“-Zeitung, die Griechenland schon seit langem wieder die Drachme verordnen will, Kolumnen schreibt. In der Rolle der Faktencheckerin: die „taz“-Wirtschaftjournalistin Ursula Herrmann.

„Unbedeutende kleine Liquiditätsprobleme“

Varoufakis‘ Lieblingsphrase ist, dass er klar, deutlich und präzise antworten werde. Klar, deutlich und präzise also verkündet er, dass die griechischen Geldprobleme „unbedeutende kleine Liquiditätsprobleme“ seien. Auf die für Jauch erstaunlich prompte Nachfrage wiederholt er seine These, dass die europäischen Kredite für Griechenland die Lage überhaupt erst schlimm gemacht hätten. Es ist kein demütiger Finanzminister, der da auftritt, sondern ein selbstbewusster. Er schildert die Lage der griechischen Bevölkerung als verheerend, wegen des von der Troika verordneten Sparkurses seien viele arbeitslos, Kinder unterernährt. Die neue griechische Regierung versuche, mit ihrer Politik den Armen zu helfen, mehr nicht.

Entschieden wehrt sich der Minister gegen den Vorwurf, seine Regierung habe bislang noch nicht genügend getan: „Vergessen Sie nicht: Wir sind eine neue Regierung.“ Außerdem sei es nicht so einfach, an das Geld griechischer Millionäre heranzukommen – das sei schließlich zum Teil etwa in teuren Wohnungen in London oder New York angelegt. Söder, der seine Standard-Griechenland-Sätze einwirft (Griechenland müsse seine Hausaufgaben machen, Deutschland sei zwar hilfsbereit, aber nicht naiv und jeder müsse seine Schulden selber zahlen) bekommt von Varoufakis die Frage, ob die CSU daran arbeite, die unliebsame Linkspartei-Regierung durch die alte Oligarchen-Regierung zu ersetzen.

Und dann bekommt auch Jauch noch Ärger: Ein Einspiel-Film, in dem Varoufakis bei einer öffentlichen Rede beim Stichwort „Deutschland“ scheinbar den Stinkefinger zeigt, bezeichnet der griechische Minister als Fälschung. Bis zum Sendungsende kann der Fälschungsvorwurf nicht ausgeräumt werden.

„Sie haben sich gut geschlagen“

Es gibt aber auch den versöhnlichen Varoufakis. Er redet viel über das „gemeinsame Haus Europa“, in dem alle füreinander einstehen, in dem Vorurteile überwunden werden sollen. „Die Deutschen“ und „die Griechen“ gebe es doch gar nicht. In der Tat retten sich Jauch, Söder, Elitz ganz gerne in den Hinweis, „die Deutschen“ würden dieses, jenes oder das Verhalten Griechenlands nicht richtig finden. Allerdings ganz ohne „den Durchschnittsgriechen“ als Zeugen heranzuziehen kommt auch Varoufakis an diesem Abend nicht aus.

Die „taz“-Journalistin Herrmann bremst zwischendurch den stammtisch-salbadernden Elitz mit kühlen Sätzen aus – das europäische Geld sei nicht in ominösen griechischen schwarzen Löchern verschwunden, sondern in europäischen Banken. Den CSU-Mann Söder weist sie darauf hin, dass Griechenland mit seinen Steuereinnahmen zwar seine Sozialausgaben finanzieren könne – aber sicher nicht die Schulden zurückzahlen könne. Söder muss darauf nicht antworten. Wie so viele Jauch-Sendungen krankt auch diese daran, dass Jauch auf eine vertiefte Debatte zugunsten des nächsten Themas auf seiner Frageliste verzichtet.

Entschädigungszahlungen Deutschlands für Nazi-Verbrechen in Griechenland während des Zweiten Weltkriegs will Varoufakis weiterhin. Die Idee, das Geld in eine Stiftung für deutsch-griechische Verständigung fließen zu lassen statt in die griechische Staatskasse, hält er für sinnvoll. Für den Austausch von Jugendlichen – „aber warum nicht auch für die Alten“, sagt Varoufakis. Man müsse vom Konfrontationskurs herunterkommen.

„Sie haben sich gut geschlagen“, sagt Jauch zum Schluss zum Minister, als habe der eine Prüfung bestanden.