Spitzenvertreter der EU haben sich kurz vor dem G7-Gipfel hinter zusätzliche Bemühungen gestellt, die Herkunft des Coronavirus zu klären. „Die Welt hat das Recht, genau zu erfahren, was passiert ist, um die Lehren daraus ziehen zu können“, sagte EU-Ratspräsident Charles Michel am Donnerstag in einer Pressekonferenz zum Gipfeltreffen der sieben großen Wirtschaftsmächte im englischen Cornwall. Die EU werde alle Anstrengungen unterstützen, um Transparenz zu schaffen und die Wahrheit herauszufinden. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ergänzte, es sei außerordentlich wichtig, dass man die Herkunft des Virus aufkläre.

Der Schwenk der EU-Spitzen kommt, nachdem US-Präsident Joe Biden die Geheimdienste des Landes damit beauftragt hatte, dem Ursprung der Corona-Pandemie auf den Grund zu gehen. Es geht ausdrücklich um die mögliche Schlussfolgerung, dass das Virus aus einem Labor im chinesischen Wuhan stammen könnte.

Das Außenministerium in Peking warf den USA vor, von eigenem Versagen bei der Bekämpfung der Pandemie ablenken zu wollen. Allerdings ist in diesem Zusammenhang auch die US-Gesundheitsverwaltung unter Druck geraten, insbesondere der Corona-Beauftragte Anthony Fauci. Fauci war gemäß kürzlich auf BuzzFeed veröffentlichten E-Mails schon sehr früh von Wissenschaftlern auf die Möglichkeit hingewiesen worden, dass die Struktur des Virus die Herkunft aus synthetischer Produktion nicht ausschließe.

Streng vertrauliches Meeting mit Christian Drosten

In einem streng vertraulichen Meeting, zu dem laut einer vertraulichen E-Mail auch der deutsche Virologe Christian Drosten eingeladen worden sein soll, wurde schließlich über diese Hypothese diskutiert. Wenig später veröffentlichte ein in Wuhan forschender britischer Wissenschaftler im Namen von mehreren Kollegen ein Papier in der Fachzeitschrift The Lancet, in dem die Labor-Theorie ausdrücklich ausgeschlossen wurde. Die US-Gesundheitsbehörden haben sich in den vergangenen Jahren, wie auch staatliche Forschungseinrichtungen aus anderen Ländern auch finanziell an der in Wuhan vorgenommenen Forschung beteiligt.

Die Aufklärungsbemühungen sollen nun auch bei dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten eine Rolle spielen, das an diesem Freitag beginnt, berichtet die AFP. Auch aus deutschen Geheimdienstkreisen ist zu hören, dass seit längerem alle Aufklärungsbemühungen über die Herkunft des Virus verstärkt werden sollen. Zu der G7-Gruppe gehören neben Deutschland die USA, Kanada, Japan, Großbritannien, Frankreich und Italien. Die EU ist als Institution vertreten.

Die USA wollen 500 Millionen Corona-Impfdosen für 92 ärmere Länder bereitstellen. US-Präsident Joe Biden werde die „historische“ Spende am Donnerstag bekannt geben, teilte das Weiße Haus mit. Die USA wollen demnach 500 Millionen Dosen des Impfstoffs von Biontech und Pfizer kaufen und über die Covax-Initiative verteilen. Die Entwicklungsorganisation One begrüßte die Ankündigung und rief auch die übrigen G7-Staaten zum Spenden auf. Derweil forderte das EU-Parlament eine vorübergehende Aussetzung von Impfstoff-Patenten.

200 Millionen Impfdosen von den USA sollen bereits bis Ende des Jahres geliefert werden. Der Rest der Lieferung wird bis Juni 2022 erwartet.

Biontech und Pfizer stellen Impfstoff zum Selbstkostenpreis zur Verfügung

Biden, der ab Freitag am G7-Gipfel in Großbritannien teilnimmt, werde „die Demokratien der Welt dazu aufrufen, ihren Teil zur globalen Versorgung mit sicheren und wirksamen Impfstoffen beizutragen“. Der US-Präsident hielt am Abend im südenglischen Badeort St. Ives eine Rede zur Bekämpfung der Pandemie.

Die Hersteller Biontech und Pfizer bestätigten das Vorhaben der US-Regierung am Donnerstag. Die Impfdosen werden demnach zum Selbstkostenpreis zur Verfügung gestellt. Sie würden „an 92 Länder mit niedrigem und niedrigem mittleren Einkommen“ verteilt, darunter auch alle 55 Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union.

Die USA waren zuletzt in die Kritik geraten, weil sie auf riesigen Beständen ungenutzter Corona-Impfstoffe sitzen. Die US-Regierung argumentiert, dass dies als Vorsichtsmaßnahme notwendig gewesen sei. Derzeit liegt die Impfquote mit mindestens einer Dosis bei den Erwachsenen in den USA bei 64 Prozent.

Derweil warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die europäischen Länder eindringlich vor einer zu frühen Lockerung der Corona-Maßnahmen. Die Impfraten seien noch viel zu gering, um einen Wiederanstieg der Infektionsfälle zu verhindern, sagte WHO-Europa-Direktor Hans Kluge.

Die EU hatte beim Weltgesundheitsgipfel in Rom Ende Mai zugesagt, bis Ende 2021 mindestens hundert Millionen Impfdosen an Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu spenden. Auch Washington hatte in der Vergangenheit versprochen, bis Ende Juni rund 80 Millionen Impfdosen zu spenden und einen Beitrag in Höhe von umgerechnet rund 1,6 Milliarden Euro zur Finanzierung der Covax-Initiative zu leisten.