New York - Rund 180.000 Follower hat Gloria Vanderbilt bei Instagram. Das ist nicht viel, Stars wie Beyoncé können auf über 100 Millionen Fans bauen. Damit fließt noch einmal Extrageld in die Kasse, denn jeder Follower ist ein potenzieller Käufer von Alben, Parfums und sonstigem aus der Verwertungskette, die man mit einem großen Namen bestücken kann. Vanderbilt dürfte dies herzlich egal sein. Schon im Alter von zwei Jahren besaß sie mehr Geld, als die meisten Menschen jemals verdienen können. Am Mittwoch wird die Tochter des Eisenbahn-Erben  Reginald Claypoole Vanderbilt 95 Jahre alt.

New Yorks erstes It-Girl

Ihr Name steht für Glamour und Skandale, aber auch für Scharfsinn, Witz und Kunstverständnis. Vanderbilt war Model, Malerin, Schauspielerin und Ehefrau. Amerika liebt die Erbin bis heute, ist sie doch wohl New Yorks  erstes It-Girl. Sie selbst folgt bei Instagram übrigens nur 20 Leuten, darunter ihrem Sohn. Verbrieft ist indes, dass Vanderbilt ihren Account selbst verwaltet, was nicht nur deswegen bemerkenswert ist, weil sie ein fast biblisches Alter erreicht hat, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass die meisten Prominenten ihre digitalen Portfolios nicht selbst betreiben.

Bemerkenswert ist ihre Affinität zum Digitalen auch deshalb, weil bei ihrer Geburt 1924 selbst das Fernsehen noch Zukunftsmusik war  – nicht so  jedoch die Eisenbahn, der sie ihr fantastisches Vermögen zu verdanken hat. Begründet wird der Reichtum der Vanderbilts, deren Name  ähnlich wie  Rockefeller, Carnegie oder Morgan für eine enorme wirtschaftliche Blütezeit der Vereinigten Staaten steht, von Glorias Ururgroßvater Cornelius Vanderbilt. Dieser errichtet im 19. Jahrhundert das millionenschwere Dampfschiff- und Eisenbahnimperium, von dem die Erben bis heute gut leben. Der „Eisenbahnkönig“ gilt als rücksichtsloser Geschäftsmann, verfügt jedoch über die wichtigsten Linien der Vereinigten Staaten. Die erste Eisenbahnverbindung von New York nach Chicago geht auf sein Konto. Und er weiß sein Geld auch abseits der Trasse zu investieren: Noch heute besitzt die Familie Vanderbilt etliche Luxusimmobilien an den teuersten Orten des Landes.

Heldin der Klatschpresse

So residiert auch Gloria Vanderbilt natürlich nicht irgendwo, sondern an New Yorks schickster Adresse, dem Beekman Place am East River. Zumeist findet  man sie in ihrem Atelier, sie hat in New York Kunst studiert, macht aber auch als Designerin von sich reden. Ihre Jeans mit dem Schwanenlogo gelten in den späten 70er Jahren als schwer angesagt, auch ihr Parfum verkauft sich bestens. Später zerstreitet sie sich mit Geschäftspartnern, denen sie Betrug vorwirft. Aber es geht immer weiter: Vanderbilt schreibt Bücher, malt und füllt die Klatschspalten der Magazine. Bis heute.

Freundschaft mit Capote

Ihr schillernder Name und die vielen Männer sorgen beständig für Nachschub. Mit gerade mal 17 Jahren heiratet sie erstmals. Sie will weg von zu Hause, weg von der Tante, die sich in einem erbitterten Sorgerechtsstreit gegen die Mutter durchsetzte. Mit ihrem zweiten Mann, dem Dirigenten Leopold Stokowski, bekommt Gloria zwei Söhne, zwei weitere stammen aus der Ehe mit Schriftsteller Wyatt Cooper.

Mit dem Regisseur Sidney Lumet („Die zwölf Geschworenen“) ist Vanderbilt sieben Jahre lang verheiratet. Hinzu kommen zahlreiche Liebschaften, unter anderem mit Frank Sinatra und Marlon Brando. In dieser Zeit wird sie von berühmten Fotografen abgelichtet, sie gilt als mondän und sexy. Als sie den Schriftsteller Truman Capote kennenlernt, vertraut sie dem Falschen. Sie ist fasziniert von seinem Charme, doch ihr Partybegleiter nutzt Vanderbilt als Vorlage für seine  Figur Holly Golightly im Welterfolg „Frühstück bei Tiffany“. Golightly, das freizügige, aber auch oberflächliche und letztlich tragische Mädchen – Vanderbilt hat Capote das nie verziehen.

Auch mit ihrer Mutter,  die für einen exzessiven Lebenswandel stand, kommt Vanderbilt nie ins Reine.  Sie fühle sich als Waise, hat sie einmal gesagt. Niemand in ihrer Familie hat sie vorbereitet auf das Leben mit einem solchen Vermögen. Viel Geld verliert sie. Doch das ist nicht die größte Tragödie im Leben von Gloria Vanderbilt. 1988 stürzt sich ihr damals 23-jähriger Sohn  Carter vor ihren Augen vom Balkon. Die Mutter hatte vergeblich versucht, ihn aufzuhalten. Der Gedanke an ihren anderen Sohn Anderson Cooper, einen bekannten CNN-Moderatoren, ist es, der sie am Leben hält. Und ihr unerschütterlicher Optimismus: „Ich bin entschlossen, das Beste zu sein, was ich kann, so lange ich es kann“, sagt sie einmal im Gespräch mit der New York Times.

Wer sich ihr Instagram-Profil anschaut, kann sich davon überzeugen. New Yorks einstiges It-Girl sieht auch mit 95 noch blendend aus. Wie sie sich fit hält? „Ich laufe viel und achte auf meine Ernährung. Das ist der Schlüssel. Ich habe schon immer viel Energie gehabt.“