Berlin - Von Beleidigungen, Beschimpfungen bis hin zu Vergewaltigungsandrohungen habe ich schon alles Mögliche an Hate-Speech erhalten. Die üblichen Beleidigungen sind zum Beispiel: Ich solle dahin zurückgehen, wo ich herkomme, dann würde ich merken, was Sexismus bedeutet. Oder, was ich mir erlauben würde, mich als Nicht-Deutsche zum Bezirkshaushalt zu äußern.

Gerade wenn ich mich zu bestimmten Themen äußere, wie zu Rassismus, gendergerechter Sprache oder zum Paragrafen 219a, kommt auch der Hass. Im letzten Jahr habe ich eine Stalking-Drohung erhalten. Ich hatte mich in der Abendschau zu der Rassismus-Studie bei der Polizei geäußert. Da kam direkt eine E-Mail in mein Postfach, in der stand, dass ich aufpassen soll und weiter: „Ich stalke Gollaleh Ahmadi und kriege sie im Tegeler Wald.“ Da ist es mir wirklich kalt über den Rücken gelaufen. Früher habe ich die Hassnachrichten meist ignoriert. Doch das konnte ich bei dieser E-Mail nicht.

Volkmar Otto
Zur Person

Gollaleh Ahmadi ist Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in Berlin-Spandau. Ihre Themen reichen von Gerechtigkeit, Antidiskriminierung bis hin zu feministischer Innen- und Außenpolitik. Seit November 2020 ist Gollaleh Ahmadi bei HateAid, der Beratungsstelle für Opfer digitaler Gewalt. 

Ich habe mich drei Wochen zurückgezogen, weil ich das verarbeiten musste, und hatte zu dem Zeitpunkt wirklich Angst. Ich habe auch eine Anzeige bei der Polizei erstattet und mich an HateAid gewandt – leider ohne Erfolg. Von der Amtsanwaltschaft hieß es nur, dass die Androhung von Stalking noch keine Straftat sei.

Imanol Fernandez
Digitale Gewalt

Doxing, Cybermobbing, Hassnachrichten – digitale Gewalt nimmt zu. Warum sind oft Frauen und LGBTIQ die Zielscheibe? Was steckt dahinter? Wie kann man Betroffene unterstützen? Diese und weitere Fragen werden wir in dieser Themenwoche beantworten.

Ich habe bisher drei Anzeigen gestellt, alle sind ins Leere gelaufen. Das kann nicht sein. Die Gewalt, die hinter solchen Botschaften steckt, muss auch als Gewalt anerkannt werden. Wir brauchen dringend Rechtssicherheit für Betroffene. Momentan fühlen sich die Täter wie in einem rechtsfreien Raum. Leider trifft der Hass viele Politikerinnen, gerade auf der kommunalen Ebene. Ich verheimliche Frauen, die sich für Kommunalpolitik interessieren, nicht, was auf sie zukommen kann. Aber ich sage ihnen auch: Macht es, geht in die Politik, seid laut und überlasst das Feld nicht den anderen.“

Aufgezeichnet von Elena Matera