„Granny Look“: Warum junge Frauen sich die Haare grau färben

Graue Haare machen Männer erst interessant und besonders attraktiv? Einspruch! Wenn sich schon mit Anfang 30 die ersten grauen Haare in das natürliche Straßenköterblond mischen, macht das in der Regel blass und der Straßenköterton wirkt noch ein bisschen räudiger.

Dass sich grauhaarige Männer quasi zwangsläufig in George Clooney verwandeln, ist ein Gerücht. Ich weiß, wovon ich schreibe. Aber zugegeben, Frauen mit grauen Haaren hatten es bislang noch schwerer. Nie hat jemand behauptet, graue Haare machten eine Frau zur Monroe, auch wenn die ja immerhin weißblond war.

Allerdings scheint sich das Verhältnis gerade sehr junger Frauen zum Thema graue Haare zu ändern. Sie lassen der Natur ihren grauen Lauf oder färben ihre Haare sogar weiß. Die britische Modejournalistin Sarah Harris beispielsweise bekam schon mit 16 die ersten grauen Haare und hat sie – inzwischen Mitte 30 – zum Markenzeichen gemacht. Ihre lange graue Mähne machte die Vogue-Autorin bekannt und zum Liebling der Street-Style-Fotografen.

Die Schauspielerinnen Zosia Mamet und Lena Dunham aus der Serie „Girls“ tragen ebenfalls – zumindest temporär – Grau und auch die Sangeskünstlerinnen Rihanna oder Rita Ora sind schon mit grauen Strähnen gesichtet worden. Die Sängerin Pink oder das Model Kristen McMenamy sind weitere Beispiele dafür, dass Grau ein Trend ist.

Während die meisten Frauen noch jedes weiße Haar am liebsten ausreißen würden, mühen sich also einige dieser Trendsetterinnen sogar damit, ihr Haar künstlich grau werden zu lassen. „Granny Look“ nennt man das – im Fall, dass das Grau Kunstsache ist.

Je jünger, desto attraktiver in Grau

Das erforderliche Bleichen ist bei dunklem Haar einigermaßen aufwendig und strapaziös, bei hellem Haar unproblematischer. Im Idealfall strahlt es nach der Behandlung wie Eis. Ehrlicherweise muss man sagen: Es sind gerade die ganz jungen, extrem modischen Frauen, die mit grauem Haar besonders attraktiv wirken – ein frischer Teint hilft dabei eben sehr.

Ein Teenager, die Bloggerin Tavi Gevinson, war ja auch die Erste, die mit grauem Bob in der Fashionszene gesichtet wurde. Auf den ersten Blick war klar, dass ihre Haarfarbe ein modisches Statement ist. Steht zu befürchten, dass die heute grau gefärbten 20-Jährigen sich mit 40 nach ihrem Naturton sehnen – und wieder färben.

Intelligenz und Lebenserfahrung

In Lifestyle-Magazinen ist zu lesen, Frauen, die stolz ihr graues Haupt erheben, strahlten Selbstsicherheit, Intelligenz und Lebenserfahrung aus. Das sind politisch ohne Frage korrekte, aber zumindest in der Welt der Mode doch zweifelhafte Komplimente. Nichts gegen Selbstsicherheit, Intelligenz und Lebenserfahrung, aber sind wirklich graue Haare der einzige Weg, diese schönen Eigenschaften zu beweisen?

Und will nicht in Wahrheit jeder lieber möglichst attraktiv und jugendlich aussehen? Grau mit 20 ist ein modischer Gag, mit 40 dagegen nichts als die Wahrheit. Gegen die ist natürlich nichts einzuwenden, wenn man einige Regeln beachtet und nicht zwingend jünger aussehen möchte, als man ist – sondern zum Beispiel selbstsicher, intelligent und lebenserfahren.

Silbershampoo hilft gegen den Gelbstich

Das Grauwerden ist genetisch bedingt, es beginnt, wenn die Haarwurzel die Produktion des Pigments Melanin stoppt. Als Folge verliert das Haar seine Farbe. Auch die Struktur verändert sich. Graues und weißes Haar speichert weniger Vitamine und Mineralstoffe, die Keratinproduktion läuft nur noch auf Sparflamme. Die Haare werden spröder, poröser und verlieren an Glanz.

Dagegen lässt sich aber mit entsprechender Pflege etwas machen. Ein Silbershampoo, das dem Gelbstich vorbeugt, ist zu empfehlen, dazu Conditioner und Stylinghilfen, die dem Haar Glanz zurückgeben. Künstlich graues Haar ist durch das Bleichen oft angegriffen, dafür gibt es Produkte, die die Struktur verbessern.

Grauhaarige Frauen haben im Gegensatz zu Männern das entscheidende Privileg, mithilfe eines ausdrucksvollen Make-ups dem Grau auf dem Kopf und dem damit korrespondierenden fahlen Gesichtston entgegenwirken zu können. Diese Chance sollten sie sich nicht nehmen lassen. Kühle Farbnuancen wie Pink, Smaragdgrün oder auch Türkis gehören in das Beautycase der selbstbewussten Grauhaarigen.

Damit graues Haar cool und nicht graumäusig aussieht, darf es nämlich nie wie ein Zufallsprodukt aussehen, sondern muss immer als bewusste Entscheidung deutlich werden. Ein guter Schnitt, egal, ob lang oder kurz, ist besonders wichtig. Und je modischer und farblich abgestimmter die Garderobe ist, umso deutlicher wird das graue Haar zum Teil des Stylings. Insofern hat, wer zu seinem grauen Haar steht, nicht weniger Aufwand als die, die es färben. Eher im Gegenteil.

Salz-und-Pfeffer-Effekt auf dem Kopf

Der typische Salz-und-Pfeffer-Effekt auf dem Kopf vieler Grauhaariger entsteht übrigens, weil meistens noch Haare in der Naturfarbe durchschimmern. Das Weißwerden ist ein schleichender Prozess. So eine Melierung kann attraktiv, quasi wie eine natürliche Strähnung wirken – wenn sie allerdings sehr ungleichmäßig ist, auch unschön, unruhig und fleckig. So ging es mir. Für diesen Fall empfehlen sich Strähnchen in Asch- und Schiefertönen.

Eine andere Möglichkeit ist, das Haar insgesamt in einen weißen Platinton zu färben. Unvergessen der Moment, als sich nach dem Auswaschen des bläulich-weißen Blondierschaums der gesamte Salon um mich versammelte und vorbeugend rief: „Sieht super aus!“ Widerspruch unmöglich. Zwei Jahre trug ich dann in etwa Andy Warhols Haarfarbe, dann hatte ich endlich George Clooneys elegante Grauschattierung erreicht. Immerhin eine Ähnlichkeit.