Sprachprobleme wird es keine geben, wenn Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan ins deutsche Außenministerium wechselt. Die Amerikanerin spricht ein ausgezeichnetes Deutsch, wie sie am Mittwoch auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) demonstrierte. Es könnte aber dennoch zu Verständigungsproblemen kommen. Denn mit der spektakulären Personalie soll in der Bundesrepublik ein ganz neues Kapitel der Außenpolitik aufgeschlagen werden.

Morgan soll zunächst als Sonderbeauftragte der Bundesrepublik für internationale Klimapolitik fungieren. Wenn ihre Einbürgerung durch ist, die sie laut Baerbock schon länger anstrebt, wird die 55-Jährige dann zur Staatssekretärin berufen und damit „meine neue rechte Hand“ werden, wie Baerbock sagte. Ohne Verbeamtung allerdings, wie am Mittwoch auf Nachfrage versichert wurde.

Jennifer Morgan wird vermutlich dennoch vielfältige Vorbehalte abbauen müssen. Die Union hat bereits erklärt, dass sie mit der Berufung der Greenpeace-Chefin die Grenze zum Lobbyismus überschritten sieht. Von Transparency International hieß es gestern, dass man mit der Besetzung des Spitzenjobs grundsätzlich keine Probleme habe. Morgan müsse aber wissen, dass sie unter Beobachtung stehe.

Das wird ihr ohnehin klar sein. Sie soll nämlich nicht nur die internationale Klimakooperation anschieben, sondern innerhalb der Bundesregierung auch ressortübergreifend arbeiten. Das wird sicherlich kein Spaß werden. Aber wer sich, wie Morgan, auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro in den Weg stellt, um ihn wegen der Abholzung der Regenwälder zur Rede zu stellen, wird sich vermutlich auch mit deutschen Beamten erfolgreich auseinandersetzen.

Morgan selbst machte am Mittwoch den Eindruck, dass sie sich auf die Aufgabe freut. Bevor sie 2016 Greenpeace-Geschäftsführerin wurde, war sie in diversen Thinktanks und Organisationen als Klimaexpertin tätig. Ihr weltweites Netzwerk will sie nun in ihre Arbeit für die Bundesregierung einbringen.  Dort möchte sie ein „proaktives Team Deutschland bilden“, wie sie sagte. Der Klimapolitik kann das nur guttun.