Gregor Gysi: "Wenn ich nicht melken könnte, wäre ich deplatziert in der Politik"

Berlin - Nach einem Vierteljahrhundert an der Spitze der Linken tritt Fraktionschef Gregor Gysi zurück. Künftig sollen Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch die Linke anführen. Heute wählt die Fraktion ihre neue Spitze, die Wahl der beiden gilt als sicher. Gysi findet man ab dann nur noch in der zweiten Reihe, denn dem Bundestag bleibt er erhalten.

Am Montagabend gab Gregor Gysi sein letztes Interview als Linken-Chef in der rbb-Abendschau. Darin sagte er, dass er sich auf seinen neuen Lebensabschnitt freue. Nun schreibe er seiner Autobiografie: "Das ist schwer, man vergisst ja so viel", sagte er, kokettierend wie immer.

Gysi bald in Kochsendung?

Der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, beschrieb Gysi als einen „Menschen, der Stimmung machen kann“. Grünen-Politikerin Renate Künast gab zu, dass sie seine Reden im Bundestag vermissen werde.

Ob er jetzt auch in einer TV-Kochshow auftreten wolle, wurde er in einem Interview der Linksfraktion gefragt. „Dafür fehlt mir die Hingabe und Leidenschaft von Alfred Biolek“, twitterte Gregor Gysi dazu am späten Montagabend.

„Mit Ihnen war es nie langweilig“, schreibt eine Nutzerin am Dienstagmorgen zu Gysis Rückzug. Andere bezeichnen ihn als „Kultfigur“.

Gysi - verehrt und verhasst. Hier kommt eine Auswahl seiner prägendsten Sprüche:

„Wenn ich nicht melken könnte, wäre ich ja völlig deplatziert in der Politik.“

(Hier antwortet Gysi 2014 auf die Frage eines Journalisten nach einer Veranstaltung in Droßdorf in Sachsen-Anhalt zu seinem erlernten Beruf. Gysi ist von Haus aus Rinderzüchter. Diese Metapher brachte er oft im Laufe seiner Karriere. Das konnte er auch ausdehnen. In einem anderen Interview sagt er: „Und ich spiele gern Skat. Wer nicht reizen kann, soll auch nicht in die Politik gehen")

„Vielleicht kann man mit 90 Jahren noch im Bundestag herumdödeln, ohne dass das einer merkt. Aber man kann mit 90 Jahren kein Dach mehr decken.“

(Gregor Gysi verwendete diese Sätze im Jahr 2014 bei einer Generaldebatte im Bundestag. Sie bezogen sich auf Gysis Anmerkung, dass die Gesellschaft immer älter werde und länger arbeiten müsse)

„Sie nehmen mir ja meine kurze Redezeit.“

(Erst mal kein besonderer Satz. Wenn man aber bedenkt, dass Gysi diesen Satz sagte, als er am 4. November 1989 vor einer applaudierenden Menschenmasse auf dem Alexanderplatz sprach, bekommt er eine besondere historische Bedeutung. Vor allem auch, weil die Redezeit im Bundestag später immer mal wieder Thema zwischen Gregor Gysi und dem Bundestagspräsidenten Norbert Lammert war. 2013 wollte Gysi dem Präsidenten eine neue Uhr kaufen - offenbar weil Gysis Zeitgefühl ein ganz anderes war)

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