Zehn Jahre lang war Gysi Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion im Bundestag.
Foto: dpa/Angelika Warmuth

BerlinUm Gregor Gysi war es in den letzten Jahren still geworden, jetzt will der 72-Jährige wieder stärker in der Spitzenpolitik mitmischen. Fast fünf Jahre nach seinem Rückzug als Fraktionschef haben ihn die Linken-Abgeordneten im Bundestag am Dienstag zum neuen außenpolitischen Sprecher der Fraktion gewählt.

Damit steigt er quasi zum „Außenminister“ der Partei auf. Die Fraktionsvorsitzenden Dietmar Bartsch und Amira Mohamed Ali hatten Gysi vorgeschlagen. Er löst auf dem Posten den Berliner Abgeordneten Stefan Liebich ab, der im Februar überraschend seinen Rückzug angekündigt hatte.

„Ich habe wieder eine Aufgabe in der Fraktion, die mir vorher ein bisschen fehlte, und darüber bin ich froh“, sagte Gysi der dpa. Er werde nun wieder öfter Reden halten und Außenminister Heiko Maas (SPD) solle sich darauf einstellen, Widerspruch von ihm zu ernten. „Ich bin 72 und nicht 18, aber ich fühle mich noch gar nicht wirklich alt, ich kann schon noch einiges leisten“, sagte Gysi. Seine erste Rede in neuer Funktion soll er am Donnerstag im Bundestag halten.

Gysi gehört dem Auswärtigen Ausschuss des Bundestages an und hat sich immer wieder zu außenpolitischen Themen zu Wort gemeldet. Der neue außenpolitische Sprecher ist neben Sahra Wagenknecht das bekannteste Gesicht der Partei. Er hat die parlamentarische Arbeit der Linken in den vergangenen 30 Jahren so stark geprägt wie sonst niemand. Zwei Mal leitete er für jeweils zehn Jahre die Bundestagsfraktion. Dazwischen lag eine fünfjährige Unterbrechung, in der er zeitweise ganz aus der Politik ausstieg. Von 2016 bis Ende vergangenen Jahres war er Chef der Europäischen Linken.

Wie Liebich zählt Gysi zu den gemäßigten Realpolitikern in der Fraktion, die Regierungsverantwortung anstreben.