Greta Thunberg, Umweltaktivistin auf Weltreise.
Foto: dpa/AP/Pedro Rocha

BerlinGreta Thunberg ist wieder zurück in Europa. Am Dienstag ist sie in Lissabon an Land gegangen und reist zur Klimakonferenz nach Madrid. Sie hat ihre zweite abenteuerliche Atlantiküberquerung binnen eines halben Jahres überstanden, sie ist kreuz und quer durch Nordamerika gereist und hat mehr Abenteuer erlebt als die allermeisten 16-Jährigen ihrer Generation. Sie hat Donald Trump ins Auge gesehen und gesiegt. Sie wurde als riesiges Wandbild in San Francisco verewigt.

Das Mädchen, das die größte globale Jugendbewegung des 21. Jahrhunderts losgetreten hat, ist endgültig zu einer – umstrittenen – Ikone geworden. Jetzt ist sie wieder dort angekommen, wo es mit „Fridays For Future“ vor einem Jahr so richtig losging: auf der alljährlichen Klimakonferenz, auf der Thunberg 2018 in Kattowitz die großen Streiks lostrat.

Zum Glück ist Greta Thunberg sicher wieder in der Alten Welt angekommen – der Nordatlantik im Winter ist nicht der Ort für einen entspannten Segeltörn, noch nicht einmal mit einer Weltklasse-Skipperin. Die Britin Nikki Henderson brauchte ihr ganzes Können, um das Boot sicher über den Atlantik zu bringen.

Grünes Gewissen

Henderson aber musste dafür von England in die USA fliegen – und hat zum Ausgleich CO2-Ablassbriefe gekauft. Wie es eben jeder umweltbewusste Mensch tut, der sein Gewissen entlasten will. Auch auf dem Hinweg per Rennjacht flog die Crew, die in New York ausgetauscht wurde.

Die gefährlichen Törns bewiesen also nur eins: dass es keine wirklich umweltfreundlichen Fernreisen gibt, für die Masse schon gar nicht. Sie sind das Eingeständnis eines Scheiterns: Verzicht und Askese ändern nichts, wenn sie nicht als Beispiel dienen können. Die globale Klimaschutzbewegung brauchte Greta Thunberg: als Ikone, als das rätselhafte, radikale, schlechte Gewissen. Niemand sonst konnte der Weltgemeinschaft so wütend ihr „Wie könnt ihr es wagen?“ entgegenschleudern.

Nun ist Thunberg zurück – und die Bewegung braucht sie eigentlich nicht mehr. Sie muss die Politik anders vor sich hertreiben, nicht mehr mit Symbolen, sondern mit Konzepten und Ideen, vor allem auch solchen für den Ausgleich zwischen sozialer Ungerechtigkeit und Klimaschutz. Abenteuertörns gehören dann in die Freizeit. Was Greta Thunberg   jenseits der großen Demo am Freitag in Madrid auf der Klimakonferenz vorhat, weiß sie noch nicht. Was sie danach tun wird, umso genauer: „Nach Madrid werde ich für Weihnachten nach Hause fahren“, sagte die 16-Jährige.