Die Eurostaaten haben auf ihrem Krisengipfel am Dienstagabend in Brüssel angedeutet, dass sie Griechenland weitere Hilfen geben wollen. Es gehe „nicht um Wochen, sondern um Tage“, beschrieb Bundeskanzlerin Angela Merkel die dramatische Situation. Sie sprach von einem dritten Hilfsprogramm.

Griechenland steht vor einer Pleite. Nach Angaben von Experten reicht das Geld der griechischen Banken nur noch für zwei Tage. Die Eurostaaten erwägen deshalb eine kurzfristige Überbrückungsfinanzierung. Die Eurostaaten betreten damit rechtlich und politisch Neuland. Zudem wird ein langfristiges Hilfsprogramm für das Land erwogen.

Die 28 EU-Staaten werden am Sonntag bei einem Sondergipfel über die Griechenland-Krise beraten, kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag nach Abschluss des Euro-Gipfels in Brüssel an. Für einen Kompromiss bleiben nach den Worten von EU-Gipfelchef Donald Tusk nur noch fünf Tage Zeit. „Die endgültige Frist endet diese Woche“, sagte Tusk.

Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker äußerte sich erneut und bemerkte „Wir haben ein detailliertes 'Grexit'-Szenario.“ Griechenland müsse bis Freitagmorgen 8.30 Uhr liefern, davon hänge das weitere Engagement der EZB ab.

Drängen auf eine konstruktive Lösung

Erwartet wird, dass der griechische Regierungschef Alexis Tsipras an diesem Mittwoch einen neuen Hilfsantrag beim Rettungsfonds ESM stellt. Da dessen Beschluss ein langwieriger Prozess vorausgeht – so muss etwa auch der Bundestag zustimmen – wird eine Brückenfinanzierung erwogen. Unter anderem könnten die Gewinne von 1,8 Milliarden Euro, die die Europäische Zentralbank mit griechischen Staatsanleihen gemacht hatte, ausgezahlt werden. Die rechtliche Basis blieb unklar.

In die Verhandlungen in Brüssel hatte sich auch US-Präsident Barack Obama eingeschaltet. Er hatte mit Tsipras und Merkel telefoniert und auf eine konstruktive Lösung gedrängt. Schon am Sonntag wollen die Staats- und Regierungschefs erneut zusammenkommen, dann im Kreis der EU-Staaten. Das werde der entscheidende Gipfel, sagte Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi.

Vor den Staats- und Regierungschefs hatten in Brüssel die Finanzminister der Eurostaaten getagt. Erstmals war dabei auch der neue griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos anwesend. Wider Erwarten hatte er aber keine schriftlichen Sparvorschläge eingereicht. Auch Tsipras blieb sie am Abend schuldig. Dennoch machten sich die Eurostaaten angesichts der dramatischen Lage auf die Suche nach einer politischen Lösung." Peter Riesbeck

Der Tag zwischen Brüssel, Berlin und Athen im Ticker zum Nachlesen:

+++23:42 Uhr: Merkel: Athen muss bis Donnerstag detaillierte Vorschläge vorlegen - Kanzlerin schließt Schuldenschnitt kategorisch aus+++

Griechenland muss nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bis spätestens Donnerstag „sehr detaillierte Vorschläge“ unterbreiten, um eine Chance auf ein weiteres Hilfsprogramm zu bekommen. Es gehe angesichts der verschlechterten Lage in Griechenland nicht mehr um eine kurze Programmverlängerung, sondern um ein „drittes Programm“ über mehrere Jahre, sagte Merkel am Dienstagabend nach dem Brüsseler Sondergipfel der Eurostaaten zu Griechenland. Die Kanzlerin merkte außerdem an, sie sei nicht ausgesprochen optimistisch. Merkel zeigte sich bereit, „ganz zum Schluss“ des Prozesses auch über die Tragfähigkeit der griechischen Schulden zu reden. Ein Schuldenschnitt, also einen teilweiser Erlass, komme aber „nicht in Frage“, sagte die Kanzlerin. Dies sei nach EU-Recht verboten.

+++23:33 Uhr: Tsipras will Verhandlungen bis Ende der Woche abschließen+++

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras will „die Krise endgültig lösen“: Das Verfahren solle bis Ende der Woche abgeschlossen sein. Der griechische Vorschlag sei sozial gerecht und wirtschaftlich tragbar.

+++23:00 Uhr: Haben Szenario für Grexit vorbereitet+++

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kündigt an: „Wir haben ein detailliertes 'Grexit'-Szenario.“ Griechenland müsse bis Freitagmorgen 8.30 Uhr liefern, davon hänge das weitere Engagement der EZB ab.

+++22:05 Uhr: Euro-Staaten halten Tür für weitere Griechenland-Hilfen offen+++
Die Eurostaaten halten die Tür für weitere Griechenland-Hilfen offen. Die Staats- und Regierungschefs der Euroländer wollten konkrete Reform- und Sparzusagen aus Athen abwarten, berichteten EU-Diplomaten am Rande des Brüsseler Sondergipfels am Dienstagabend. Die griechischen Vorschläge wurden für den Mittwoch erwartet und gelten als Voraussetzung für Verhandlungen für ein neues Hilfsprogramm. Ein erneuter Krisengipfel an diesem Wochenende wurde nicht ausgeschlossen.

+++22:00 Uhr: Insider - Bargeld in Griechenland nur noch für etwa zwei Tage+++

Den griechischen Banken könnte nach Angaben von Insidern in den nächsten zwei bis drei Tagen das Geld ausgehen, wenn die Kreditgeber sich nicht auf weitere Hilfen für das Land verständigen. Ein Informant, der mit dem Finanzsystem des Landes vertraut ist, sagte am Dienstag, die ersten Geldautomaten könnten schon am Mittwoch leer sein. Ein Banker schätzte, dass noch für zwei bis drei Tage Bargeld im System sei. Derzeit sind die Banken in Griechenland geschlossen. Überweisungen ins Ausland sind nicht möglich. An den Geldautomaten erhalten die Griechen maximal 60 Euro pro Tag. Diese Begrenzung habe das Problem hinausgeschoben, aber „Bargeld wird morgen an den Geldautomaten ein echtes Problem werden“, sagte der Informant.

+++21:35 Uhr: Hillary Clinton bezeichnet Krise als „Tragödie“+++

Die ehemalige US-Außenministerin und Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton bezeichnet die Krise in Griechenland als „eine Tragödie“. Die Europäer sollten nichts unversucht lassen, um eine Einigung zu erzielen. Der stellvertretende griechische Finanzminister sieht derweil kein Problem, am 13. Juli die Gehälter im öffentlichen Dienst des Landes auszuzahlen.

+++20:36 Uhr: Athen fürchtet Flüchtlingsaufstand - Kein Essen mehr in Auffanglagern+++

Die schwere Finanzkrise in Griechenland könnte zu Hungeraufständen in den zahlreichen Migrantenlagern vor allem auf den Inseln der Ostägäis führen. „Die Programme (zur Versorgung mit Essen) sind ausgelaufen. Es könnte zu Revolten kommen“, warnte die griechische Vize-Ministerin für Migrationspolitik, Tasia Christofilopoulou, am Dienstag im griechischen Parlament.
Bereits am Vormittag hatten Regionalgouverneure von den Ägäisinseln vor einer gefährlichen Zuspitzung der Lage in den Migrantenlagern gewarnt. Die Catering-Unternehmen seien seit Monaten nicht bezahlt worden und hätten seit Dienstag die Austeilung von Essen eingestellt, hieß es. Die Ägäis ist eine der Routen, über die Schleuser Tausende Migranten nach Europa bringen.

+++20:32 Uhr: Tsakalotos: Eurogruppe will Athen neue Chance geben - Griechischer Finanzminister sieht „politischen Willen“ dazu+++

Die Eurogruppe will Griechenland nach Angaben des neuen Finanzministers Evklidis Tsakalotos eine „neue Chance“ geben. Der „politische Wille“ dazu sei da, sagte Tsakalotos am Dienstagabend in Brüssel. Bei dem Treffen der Eurogruppe habe es „Fortschritte“ gegeben, sagte er, ohne nähere Angaben dazu zu machen. Im Anschluss an das Treffen der Eurogruppe fand am Dienstagabend in Brüssel ein Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der Währungsunion statt. Griechenland will auf Basis seiner Vorschläge vom 30. Juni neue Hilfen beim Euro-Rettungsfonds ESM beantragen. Ein entsprechender Vorschlag solle am Mittwoch vorgelegt werden, verlautete am Dienstag aus Regierungskreisen in Athen. Anschließend würden die Finanzminister der Eurogruppe in einer Telefonkonferenz darüber beraten.

+++20:15 Uhr : Weiterer Gipfel am Sonntag möglich+++

Nach Angaben von hochrangigen EU-Vertretern gibt es vorläufige Pläne für einen weiteren Euro-Gipfel am Sonntag, auf dem Hilfspläne für Griechenland genehmigt werden könnten. Voraussetzung sei, dass die Geldgeber mit dem Antrag und den Reformvorschlägen aus Athen einverstanden seien, sagt einer der Vertreter.

Ein griechischer Regierungsvertreter sagt, sein Land schlage eine Übergangslösung vor, um über den Juli zu kommen. Danach solle es eine langfristige Vereinbarung geben.

+++20:01 Uhr Vortreffen zu Gipfel sollte Klarheit bringen+++

Bereits vor Gipfelbeginn kam Merkel mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras, dem französischen Präsidenten François Hollande und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zusammen. Juncker sagte davor, Tsipras müsse nun darlegen, wie eine Lösung im Schuldenstreit aussehen könne. Er selbst wolle sich weiter darum bemühen. Hollande drängte auf konkrete Entscheidungen „in dieser Woche“. Ziel sei es, Griechenland im Euro zu halten. Um dies zu ermöglichen, müsse Athen „ernsthafte und glaubwürdige Vorschläge“ für Reformen machen. Nur so könne Griechenland auf die Solidarität Europas zählen. Merkel betonte, dass Griechenland Reformen umsetzen müsse, um neue Hilfen zu erhalten. Leistung und Gegenleistung gehörten zusammen. „Ohne Solidarität und ohne Reformen ist der Weg, den wir zu gehen haben, nicht möglich.“

+++19:02 Uhr: Sondergipfel hat begonnen+++

Die Staats- und Regierungschefs der 19 Euroländer haben in Brüssel mit Beratungen über die Lösung der griechischen Schuldenkrise begonnen. Beim Sondergipfel ging es am Dienstag um die Frage, ob und wie das pleitebedrohte Land neue finanzielle Unterstützung bekommen kann. Bei einem Treffen der Euro-Finanzminister am Nachmittag hatte der neue griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos seinen Amtskollegen wider Erwarten keine neuen Vorschläge präsentiert. Diese werden nun an diesem Mittwoch erwartet.

+++18:47 Uhr: Tsipras spricht mit Obama über gewünschten „Überbrückungskredit“+++

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras hat US-Präsident Barack Obama am Dienstag telefonisch über den neuesten Stand der Beratungen zur griechischen Schuldenkrise informiert. Dabei habe Tsipras Obama erklärt, dass Athen einen „Überbrückungskredit“ von seinen internationalen Geldgebern wünsche, bis eine nachhaltige Lösung des Problems erreicht sei, wie am Dienstagabend aus griechischen Regierungskreisen in Brüssel verlautete. Obama habe seinerseits die Hoffnung geäußert, dass die Verhandlungen zwischen Athen und den Gläubigern bald erfolgreich abgeschlossen werden könnten, damit Griechenland im Euroraum bleibt. Tsipras hatte am Vormittag mit US-Finanzminister Jacob Lew über das gleiche Thema gesprochen.

+++18:12: Hollande: Griechenland muss in der Eurozone bleiben+++

Griechenland muss nach den Worten des französischen Staatspräsidenten François Hollande in der Eurozone bleiben. „Das ist das Ziel“, sagte der sozialistische Spitzenpolitiker am Dienstag vor dem Euro-Sondergipfel in Brüssel. Es werde jetzt auf ernsthafte und glaubwürdige Vorschläge aus Athen gewartet. „Danach müssen wir Verantwortlichkeit, Solidarität und auch Schnelligkeit zeigen“, forderte Hollande. Athen habe zwar bereits in der Eurogruppe der Finanzminister erste Vorschläge gemacht - diese müssten aber noch präzisiert und bestätigt werden. Ins Detail ging der Staatschef dabei nicht.

+++17:50 Uhr: Merkel dämpft Erwartungen an Sondergipfel+++

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Erwartungen an den Sondergipfel der Euro-Staaten zur griechischen Schuldenkrise gedämpft. Die Staats- und Regierungschefs wollten beraten, wie es nun weitergehe. „Allerdings können wir uns noch kein abschließendes Bild machen“, sagte Merkel vor Beginn des Treffens am Dienstag in Brüssel. Die Zeit dränge jedoch: „Ich sage aber, dass es hier nicht mehr um Wochen geht, sondern um wenige Tage.“
Die Bundeskanzlerin pochte darauf, dass Griechenland Reformen umsetzen müsse, um neue Hilfen zu erhalten. Leistung und Gegenleistung gehörten „untrennbar zusammen“. „Ohne Solidarität und ohne Reformen ist der Weg, den wir zu gehen haben, nicht möglich.“ Man werde beim Gipfel hören, was der griechische Premier Alexis Tsipras zu sagen habe.

+++17:20 Uhr: Ministerpräsident Alexis Tsipras kommt zu Debatte im EU-Parlament+++

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras wird am Mittwoch zu einer Debatte im Europaparlament in Straßburg erwartet. Dies kündigte Parlamentspräsident Martin Schulz am Dienstag auf Twitter an. Abgeordnete hatten den Regierungschef aus Athen zu diesem Besuch aufgefordert, um mit ihm über die Schuldenkrise zu debattieren.

+++17:07 Uhr: Wohlhabender Australier hilft weinendem Mann aus Thessalonikimit einer Rente+++

Das Bild des griechischen Rentners Giorgos Chatzifotiadis ging um die Welt. Weinend sitz er an der Schwelle einer Bank, die ihm wie drei andere zuvor kein Geld geben konnte. Zu Hause soll seine kranke Frau auf ihn und die Rente gewartet haben. So wurde der 77-Jährige innerhalb kürzester Zeit zum Symbol der Finanz-Katastrophe, die ältere Menschen in dem hoch verschuldeten Land mit besonderer Härte trifft. Nun scheint die Tragödie um GiorgosChatzifotiadis vorerst ein Happy End zu bekommen. Der Australier mit griechischen Wurzeln James Koufos hatte das Bild gesehen und erkannte den Mann als einen Jugendfreund seines Vaters. Ihn rührte dessen Schicksal so sehr, dass er beschloss, dem Mann mit einer Rente mindestens ein Jahr zu unterstützen. Seine anschließende Facebook-Suche nach dem Rentner aus Thessaloniki hatte nun offenbar Erfolg, wie das australische Nachrichtenportal news.au berichtet. Noch diese Woche will der Chef eines Finanzdienstleisters den Mann treffen. Der Facebook-Account des Spenders wird derweil von unzähligen Postings überschwemmt, die Rührung, Bewunderung und Dankbarkeit für die Großzügigkeit ausdrücken.

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