Berlin - Ein Satz der Grünen-Politikerin Cansin Köktürk sorgt für Wirbel und Diskussionen. Köktürk sagte in der Runde mit Blick auf die Bundestagswahl: „Ich persönlich finde, es ist ein Skandal, dass die meisten Erstwählerinnen die FDP gewählt haben.“ Daraufhin beugt sich Moderator Markus Lanz leicht ungläubig nach vorne und hakte nach: „Einen Skandal nennen Sie das?“ Die Grünen-Politikerin bekräftigt: „Ja, ich finde das schrecklich...“. Lanz fällt ihr ins Wort: „Daran ist nichts skandalös!“

Auch FDP-Urgestein Gerhart Baum kontert: „Ich bitte Sie! Ist Ihnen der Begriff Leistung so fremd, dass Menschen eine Leistung erbringen wollen, dass man Ihnen eine Chance eröffnet, etwas zu leisten?“ Dann versucht Köktürk, ihre Einstellung zu erklären. Sie finde es „schlimm, dass unsere Generation nicht sieht, wie vorrangig Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit im Gegensatz zur liberalen Freiheit und zur Wirtschaft sind. Das ist meine Meinung“. Bereits in der Erziehung liege der Fokus zu sehr auf Dingen wie Leistung, Karriere, Geld und Wachstum. Das würde dazu führen, dass die Menschen „innerlich verarmen“.

Die Diskussion um den Satz der Jung-Politikerin wird mittlerweile auch in den sozialen Netzwerken geführt. So schreibt Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Mitglied des FDP-Bundesvorstand: „Die Wahl einer liberalen Partei kann vieles sein, sie ist aber vor allem eins: demokratisch. Und die Wahl einer demokratischen Partei, welche auch immer es ist, kann niemals ein Skandal sein, sondern ist ein Grundrecht.“

Tilo Jung verteidigt Cansin Köktürk gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann

Der Journalist Tilo Jung hingegen nimmt Cansin Köktürk in Schutz. Er habe die Sendung auch gesehen. Jung: „Weder hat @cansinkoek das Demokratische daran noch das Grundrecht darauf infrage gestellt. Ihr ging es, so führte sie es minutenlang aus, um die Entscheidung junger Menschen gegen ihre Interessen zu stimmen.“ Diese Argumentation will Strack-Zimmermann so nicht gelten lassen. Die Politikerin antwortet: „Sie fand es skandalös, eine demokratische Partei zu wählen. Das hat sie sehr wohl so zum Ausdruck gebracht.“ Es sei schon „eine gewisse Hybris gegenüber 23 Prozent Erstwählerinnen und Erstwählern zu behaupten, sie hätten gegen die Interessen junger Menschen gestimmt“.

Und weiter an Tilo Jung gerichtet: „Diese ErstwählerInnen haben vielleicht gegen die Interessen von Frau Köktürk gestimmmt, aber es gibt sicher keine Allgemeindefinition von Interessen junger Menschen. Das müssen auch Sie zur Kenntnis nehmen.“