BerlinEs klingt wie eine Träumerei: Jeder Mensch in Deutschland bekommt monatlich einen bestimmten Betrag – ohne, dass dafür eine Gegenleistung erbracht werden muss. Es ist wenig überraschend, dass eine entsprechende Forderung verschiedener Initiativen in der Bevölkerung enormen Zuspruch findet.

Doch inzwischen ist klar, dass es nicht die arbeitsscheuen Faulpelze sind, die sich für die Idee erwärmen. Die meisten Unterstützer eines bedingungslosen Grundeinkommens sind jung, gut gebildet und politisch eher links. Und ja, es sind vor allem die einkommensschwächeren Menschen in Deutschland.

Schon diese Kombination sollte stutzig machen, und sie ist ein erneuter Hinweis darauf, dass Bildung allein in Deutschland kein Garant dafür ist, ein sorgenfreies Leben zu führen. Nicht erst die Corona-Krise hat gezeigt, dass vor allem Menschen, die im Kultur- und Dienstleistungsbereich arbeiten, durchs Raster fallen, wenn es hart auf hart kommt. Daran ändern die immer neuen Beteuerungen diverser Politiker, wie wichtig diese Lebensbereiche für die Gesellschaft seien, wenig.

Bei dem Anliegen, das der Petitionsausschuss des Bundestages an diesem Montag behandelt, geht es um die Einführung eines zeitlich begrenzen Krisengrundeinkommens - und damit vordergründig um die Existenz der von der Pandemie am härtesten Getroffenen, die sich statt Soforthilfen eine Sicherheit wünschen, auf deren Basis sie zu ihrer Arbeit zurückkehren können, von der Politiker so gerne behaupten, sie sei systemrelevant.

Am Ende steht hinter der Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen aber nichts weniger als das Bedürfnis, eine der großen Menschheitsfragen zu beantworten: In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Und trauen wir den Menschen zu, diese Gesellschaft wirklich mitgestalten zu wollen?

Wann, wenn nicht jetzt, wäre der richtige Zeitpunkt, nach Antworten auf diese Fragen zu suchen?