Köln - Im Auftrag der Bundesanwaltschaft haben Beamte des Bundeskriminalamts und der Länder Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Wohnungen von vier Geistlichen der Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) durchsucht. Die Razzien wurden von Sicherheitskreisen bestätigt, 40 Beamte sind nach Auskunft der Bundesanwaltschaft seit 7 Uhr im Einsatz gewesen. 

Bei den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft geht es um den Vorwurf der geheimdienstlichen Tätigkeit. Die Imame sollen im Auftrag der türkischen Regierung bzw. des Amtes für religiöse Angelegenheiten Diyanet Gemeindemitglieder und auch mehrere türkischstämmige Lehrer bespitzelt haben, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtete.

Ein Lehrer aus dem Ruhrgebiet, dessen Name auf der Ditib-Spitzelliste steht, spricht von erschreckenden Vorfällen. Der türkische Geheimdienst habe selbst entfernte Verwandte in der Türkei aufgesucht und eingeschüchtert.

Lehrer fürchten um ihren Job

Die Bespitzelten sollen der in der Türkei verbotenen Gülen-Bewegung nahestehen. Mindestens 28 Personen – darunter fünf Lehrer – und elf Institutionen sollen durch Ditib-Prediger in Nordrhein-Westfalen ausspioniert worden sein. Die mindestens 15 betroffenen Imame sollen dem türkischen Generalkonsulat in Köln berichtet haben.

Die Lehrer haben Angst um ihren Job, wenn in der türkischen Gemeinde bekannt werde, dass sie angeblich einer terroristischen Vereinigung nahestehen.

Die Ditib hatte die Vorwürfe zunächst abgestritten, später aber ihr „Bedauern“ ausgedrückt. Eine Anweisung der Diyanet, die eigentlich nicht an die Ditib gerichtet war, sei offenbar fehlinterpretiert worden.Trotzdem seien ihr einige Ditib-Imame gefolgt. Die Ditib untersteht der Diyanet. Ditib-Imame werden von der Türkei ausgesucht und bezahlt. (red)