Es sind nicht mehr allein die Hells Angels oder die Bandidos, die in der kriminellen Rockerszene das Geschehen bestimmen: Am Mittwochabend ging  die Polizei in Berlin-Moabit mit einem Großaufgebot gegen einen Club vor, der sich Guerilla Nation Nomads nennt.  Die Polizisten verhinderten damit offenbar eine geplante bewaffnete Auseinandersetzung. Entsprechende Tipps hatten die Ermittler des Rockerdezernats  erhalten.

Die Polizei macht keine weiteren Angaben. Doch offenbar sollte sich der Angriff gegen Mitglieder des Rockerclubs Hells Angels richten, der nach Jahren blutiger Auseinandersetzungen mit den verfeindeten Bandidos nun in der Hauptstadt die Szene beherrscht.

Als sich am Mittwochabend Mitglieder und Anhänger der Guerilla Nation in einem Lokal an der Rostocker Straße trafen, fuhren die Mannschaftswagen vor. Die Polizisten, die zum Teil mit Maschinenpistolen bewaffnet waren, durchsuchten 27 Personen und stellten diverse Waffen sicher: sieben Messer, drei Baseballschläger und Reizgas. Die überprüften Männer, von denen die Beamten die Personalien aufnahmen, erhielten Platzverweise und mussten den Ort verlassen.

Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurde ein 22-Jähriger wegen eines offenen Haftbefehls festgenommen. Nachdem er die offene Geldstrafe in Höhe von 1700 Euro bezahlt hatte, wurde er wieder entlassen. Bereits im Februar hatte die Polizei bei Mitgliedern von Guerilla Nation in Schöneberg Messer, Macheten, Schlagwerkzeuge und Drogen beschlagnahmt.

Nicht mal ein Führerschein

Dieser im vergangenen Jahr in Berlin entstandene Club, dessen Mitgliederzahl die Polizei vorsichtig auf rund 50 schätzt, ist eine von mehreren neuen Gruppierungen, die sich  Habitus und Insignien eines echten  Rockerclubs gegeben haben, obwohl nach Angaben von Ermittlern nur wenige von ihnen einen Führerschein geschweige denn ein eigenes Motorrad besitzen.

Laut Polizei verdienen kriminelle Rockerclubs ihr Geld schon seit Jahren unter anderem  mit Drogengeschäften und im Rotlichtmilieu. An diesen Profiten wollen auch neue Gruppierungen teilhaben. In ihnen vereinen sich größtenteils türkischstämmige Gangmitglieder und Mitglieder arabischer Clans.

So fiel der Berliner  Polizei im vergangenen Jahr ein Club auf, der  sich Osmanen Germania nennt. Die Mitglieder tragen Westen (im Rockerjargon auch Kutten genannt ) mit dem Symbol "1%", das in der Szene signalisiert,  man verstehe sich als „Outlaw“, für den kein Gesetz gilt. Im Dezember kontrollierte die Polizei in Spandau die Mitglieder eines deutschlandweiten Treffens.

Ein weiterer Club sind die Bulldogs, die sich offenbar 2014 gründeten und in Berlin schon einige Zusammenstöße mit Hells Angels hatten. Rund 30 Mitglieder soll der Club haben. Im kriminellen Geschäft mischen auch Mitglieder des  in den Niederlande gegründeten Satudarah MC mit. Der Club  wird von den Behörden als kriminelle Vereinigung eingestuft.  Im vergangenen Jahr wurde er in Deutschland verboten. Seine Anhängerschaft in Berlin liegt laut Polizei „im einstelligen Bereich“.

Andere Gruppen nennen sich  Mongols oder Rebels.  Ein nationalistisch-türkischer Club namens Turkos, der Anfang 2015 mit den Insignien eines Rockerclubs auftrat, um Kurden Angst zu machen, löste sich inzwischen wieder auf. Grund war nach Erkenntnis der Polizei Furcht vor den alteingesessenen Hells Angels. Von diesen waren die Turkos-Männer verprügelt worden, weil sie es gewagt hatten, wie  ein „One-Percenter“-Club mit Kutten und weiteren  Rocker-Insignien aufzutreten. Ein Motorrad soll niemand von ihnen besessen haben.