Robert Habeck, Parteimitglied der Grünen/Bündnis 90.
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Berlin Dürfen Politiker so reden? Darf der Vorsitzende der Grünen, Robert Habeck, über US-Präsident Donald Trump sagen, er sei „der Gegner“? Darf er fordern, ihm „nicht auch noch Honig ums Maul“ zu „schmieren für so ’ne Rede“? Darf er gar despektierlich ausstoßen: „Und dann kommt so einer“? Sprich: der letzte Hanswurst. 

Sicherlich ist es seltsam für den Chef der nach Umfragen größten Oppositionspartei, wenn er in Davos eher zufällig vor der Linse einer ZDF-Reporterin landet und unter dem Eindruck der Trump-Rede einfach mal losledert. Doch Trump hat die Kritik genauso verdient. Er agiert bekanntlich immer so ignorant wie beim Weltwirtschaftsforum.

Präsident Donald Trump beim World Economic Forum (WEF) 2020 in Davos.
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Habeck nicht der Erste mit derartiger Wertung

Und er tut es auch im Angesicht einer globalen Bedrohung wie dem Klimawandel. Überdies ist Habeck nicht der Erste, der so über Trump spricht. Der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nannte den Präsidentschaftskandidaten Trump einen „Hassprediger“. Später schreckte sein Parteifreund Rolf Mützenich als Vorsitzender einer Regierungsfraktion vor dem Wort „Rassist“ nicht zurück. Derlei Vokabeln nahm Habeck nicht in den Mund. Doch selbst wenn er es getan hätte: Was hätte es eigentlich verändert?

Trump sät doch den Hass, nicht seine Gegner. Vielleicht ist es deshalb sogar notwendig, dass ab und zu mal ein hochrangiger Politiker klarstellt, was in der von Populisten systematisch verdrehten Welt richtig und was falsch ist. Ja, Habeck darf so reden, wie er es getan hat. Noch ist er so frei. Wenn er der nächsten Bundesregierung angehört, dann gibt er diese Freiheit ab wie einen Mantel an der Garderobe.