Berlin/Köln - Hacker haben massenweise persönliche Daten und Dokumente von Hunderten Politikern auf Bundes- und Landesebene im Internet veröffentlicht. Doxing heißt diese Art des Datendumps. Zuerst hatte der rbb darüber berichtet.

Nach Recherche dieser Zeitung sind unter den veröffentlichten Daten zum Beispiel solche von Peter Altmaier (CDU), Markus Söder (CSU), Armin Laschet (CDU), Andrea Nahles (SPD), Robert Habeck (Grüne) und Christian Lindner (FDP). Auch Daten von Prominenten, wie zum Beispiel Rapper Marteria und Moderator Jan Böhmermann, landeten im Netz.

Die Leaks wurden laut rbb am Donnerstag im Laufe des Abends bemerkt und beschäftigen seitdem die Partei- und Fraktionsführungen.

Briefe, Ausweise, Mitgliederlisten zahlreicher Politiker

Betroffen sind alle im Bundestag vertretenen Parteien mit Ausnahme der AfD. Veröffentlicht wurden vor allem Handynummern und Adressen, aber zum Teil auch sehr persönliche Daten wie Personalausweise, Chats, Briefe, Rechnungen oder Kreditkarteninformationen. In Einzelfällen wurden private Chats im Familienkreis und Kreditkarteninformationen von Familienmitgliedern ins Internet gestellt. 

Politisch brisante Dokumente fanden sich im Zuge einer ersten Durchsicht durch den rbb nicht. Mehrere Medienhäuser durchkämmen die Daten aktuell genauer. Auch der „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat die Daten eingesehen und stichprobenartig auf ihre Echtheit überprüft.

Die Auswahl der geleakten Dokumente scheint willkürlich, viele der Daten, wie zum Beispiel Telefonnummern und Adressen, sind Jahre alt.

Familienfotos, Kontodaten und Adressen von Böhmermann, Marteria und anderen

Verbreitet wurden die Leaks über einen Twitter Account. In Umlauf gebracht wurden sie bereits vor Weihnachten im Rahmen von adventskalenderartigen Postings (pro Türchen eine Partei, Person oder Gruppierung). Dabei beziehen sich die Türchen jedoch nicht nur auf Politiker und Parteien, auch Prominente werden erwähnt, wie zum Beispiel Marteria, Til Schweiger und Jan Böhmermann. Auch Informationen von bekannten Youtuber wie LeFloid und Gronkh sowie zahlreichen Journalisten wurden veröffentlicht.

Die veröffentlichten Daten reichen weit ins Private: Darunter sind in einigen Fällen zum Beispiel Familienfotos und Kontodaten.

Daten sind noch nicht aus dem Netz genommen

Der Inhaber des Accounts beschreibt sich selbst mit Begriffen wie Security Researching, Künstler, Satire und Ironie. Nach eigenen Angaben befindet er sich in Hamburg. Der Account hat angeblich mehr als 17.000 Follower und ist inzwischen gesperrt. Die veröffentlichten Daten sind jedoch weiter im Netz abrufbar. Wer dafür verantwortlich ist und mit welcher Motivation die Daten an welcher Stelle abgesaugt und öffentlich gemacht wurden, ist noch unklar. Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum ist eingeschaltet.

Die Echtheit aller Daten ist noch nicht bestätigt. Zwar haben mehrere Betroffene angegeben, dass die Daten ihnen tatsächlich zuzuordnen sind. Mindestens ein Politiker hat jedoch angemerkt, dass sich neben den echten Daten auch eine Datei befinde, die ihm nicht gehöre.