Das Haus des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke.
Foto: dpa/Swen Pförtner

KarlsruheDer Bundesgerichtshof (BGH) hat den Haftbefehl gegen den Verdächtigen Elmar J. im Mordfall des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke aufgehoben. Gründe für den Beschluss vom Mittwoch teilte der 3. Strafsenat in Karlsruhe zunächst nicht mit. Elmar J. steht im Verdacht, dem als Schützen verdächtigen Stephan E. die Tatwaffe im Jahr 2016 verkauft zu haben. Die Ermittlungen würden fortgesetzt, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft.

Lübcke war im Juni 2019 auf der Terrasse seines Hauses mit einem Kopfschuss getötet worden. Der früher als Neonazi bekannte Stephan E. soll nach bisherigen Ermittlungen der Schütze sein.

Bisher gibt es keine Belege für die Anwesenheit eines weiteren Mannes am Tatort. Vor einer Woche hatte der Anwalt von Stephan E. aber berichtet, dieser sei gemeinsam mit Markus H. bei Lübcke gewesen. Gegen H. wird bisher wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord ermittelt.

Ermittler gehen von rechtsextremen Hintergrund aus

Der Anwalt von Stephan E. sagte, sein Mandant gehe davon aus, dass H. den Schuss nach ihrem Streit mit Lübcke versehentlich abgegeben habe. Nach Angaben von Verteidiger Frank Hannig hatte Stephan E. mit seinem ersten Geständnis Markus H. schützen wollen - ihm seien dafür Schutz und finanzielle Vorteile für seine Familie versprochen worden.

Ursprünglich hatte E. ausgesagt, er habe seine Familie durch kriminelle Ausländer bedroht gesehen, dazu hätten ihn islamistische Anschläge stark aufgewühlt. Lübcke, der 2015 die Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft bei Kassel verteidigt hatte, habe er daran eine Mitschuld gegeben. Dieses Geständnis hatte er später widerrufen.

Der aus dem Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen stammende und damals 64 Jahre alte Elmar J. und der damals 43 Jahre alte aus Kassel stammende Markus H. waren im Juni 2019 festgenommen worden. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt beide der Beihilfe zum Mord.