Berlin - Auf den ersten Blick wirkt es wie eine grenzwertige Parodie. Viel erschreckender aber noch: das, was man auf dem rund dreiminütigen Video sieht, das die amerikanische Seite „The Atlantic“ am Montag veröffentlichte, zeigt die Realität.

Etwa 200 – hauptsächlich männliche – Anhänger der ultrarechten „Alt Right“-Bewegung feierten am Sonnabend bei der Konferenz des nationalistischen Think Tanks „National Policy Institute“ (NPI) im Ronald Reagan Gebäude in Washington den Sieg Trumps und sich selbst. Richard Spencer, NPI-Chef und einer der Anführer der „alternativen Rechten“ begrüßte die Menge in seiner Abschlussrede mit den Worten „Hail Trump, hail our People, hail victory“ (deutsch: Heil Trump, Heil unserem Volk, Sieg Heil), die Menge ruft es ihm nach, viele erheben den rechten Arm zum Hitlergruß.

Proteste rund um das Gebäude

Spencer spricht in seiner Rede von den Mainstream-Medien als Lügenpresse, würdigt Juden herab und betont immer wieder seinen Traum von einem weißen Amerika, dem die Menge jubelnd zustimmt. „Bis zur letzten Generation war Amerika ein weißes Land, aufgebaut für uns und unsere Nachkommen“, sagte Spencer unter anderem. „Es ist unsere Kreation, unser Erbe und es gehört uns.“ 

Schon während des Treffens der rechten Bewegung gab es mehrere Proteste rund um das Regierungsgebäude. Ein Restaurant, in dem die Konferenzteilnehmer am Freitag aßen, wurde von Gegendemonstranten gestürmt.

Die „Alt Right“-Bewegung hat durch den vergangenen Wahlkampf und den Sieg Trumps an Popularität gewonnen und die mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Sie galt als einer der wichtigsten Wahlhelfer des zukünftigen Präsidenten im Netz. Wie Spiegel Online berichtet, reagierte ein Sprecher aus Trumps Übergangsteam am Montagabend auf Anfragen zum Vorfall. Trump habe „wiederholt jede Art von Rassismus zurückgewiesen“ und werde ein Präsident „für jeden Amerikaner" sein, hieß es.

Das Holocaust Museum in Washington hat mit Abscheu auf die Worte Spencers reagiert. „Wir sind von der hasserfüllten Rhetorik der Konferenz zutiefst alarmiert“, teilte das Museum am Montag mit. „Man fragt sich, ob diese Leute überhaupt Menschen sind“, sagte Spencer in seiner Rede mit Bezug auf Juden. Immer wieder lobte er die Ideologie der Nationalsozialisten. Das Holocaust Museum blickt besorgt auf den Aufwind der Rechtsradikalen und weißen Nationalisten in den USA. Der Holocaust, die Vernichtung der europäischen Juden, habe nicht mit Töten begonnen, erklärte das Museum, sondern mit Worten. „Wir rufen alle amerikanischen Bürger, unsere religiösen und zivilen Anführer und die Führung aller Teile der Regierung dazu auf, rassistischem Denken und spalterischer Hetze entgegenzutreten.“