Fast ein Jahr nach der Tötung des Afroamerikaners George Floyd haben die Geschworenen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin in allen Anklagepunkten für schuldig befunden. Dass Chauvin in Minneapolis wegen Mordes verurteilt wurde, gilt vielen als historisches Urteil – auch Hollywood-Stars meldeten sich nach dem Schuldspruch in den sozialen Medien zu Wort. Schnell reagierte etwa die Popsängerin Mariah Carey, die zunächst ein kurzes „Halleluja!“ auf Twitter hinterließ. Und kurz darauf hinterherschob: „Ein Anfang ... ein kleines Körnchen Hoffnung für unsere Zukunft.“ Carey, Kind eines Afro-Venezolaners und einer Irin, hat in ihren Liedern Rassismus immer wieder zum Thema gemacht, etwa in „There’s Got to Be a Way“ aus dem Jahr 1990. Ihre Kindheit in einer multikulturellen Familie sei eine Mischung aus Gewalt, Vernachlässigung und Rassismus gewesen, schreibt die 51-Jährige in ihrer Biografie. Carey gehörte im vergangenen Jahr zu den Unterzeichnern eines offenen Briefes an das US-Repräsentantenhaus mit der Forderung nach Gerechtigkeit im Polizeigebaren. Darin wurde auch der Glaube an die „Black Lives Matter“-Bewegung betont.

Für die in den Vereinigten Staaten entstandene Bewegung, die sich gegen Gewalt gegen Schwarze und People of Color einsetzt, engagiert sich auch der US-Schauspieler Jamie Foxx, 53. Nach dem Tod von George Floyd im Mai 2020 ging Foxx, der 2005 als dritter afroamerikanischer Schauspieler mit einem Hauptrollen-Oscar ausgezeichnet wurde, auf eine BLM-Demo in Los Angeles. Nach dem Schuldspruch gegen Chauvin sprach er von einem „bittersüßen Moment“, denn das Opfer komme dadurch nicht zurück. Dies sei ein kleiner Schritt, um Floyd und „Tausende wie dich, deren Leben sinnlos genommen wurde, zu ehren“, schrieb Foxx auf Instagram zu einem Foto des Ermordeten.

Der 46 Jahre alte Floyd war am 25. Mai vergangenen Jahres in Minneapolis bei einer Festnahme ums Leben gekommen. Videos dokumentierten, wie Polizisten den unbewaffneten Mann zu Boden drückten. Chauvin presste dabei sein Knie gut neun Minuten lang auf Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen („I can’t breathe“). Floyd verlor das Bewusstsein und starb wenig später. Er hinterließ fünf Kinder.

Viele Prominente bedachten denn auch die Familie Floyds in ihren Statements. Der frühere US-Präsident Barack Obama twitterte: „Heute hat eine Jury das Richtige getan. Aber wahre Gerechtigkeit erfordert viel mehr. Michelle und ich senden unsere Gebete an die Familie Floyd, und wir stehen mit all denen zusammen, die sich dafür einsetzen, jedem Amerikaner das volle Maß an Gerechtigkeit zu garantieren, das George und so vielen anderen verweigert wurde.“ 

Darauf, dass die Arbeit mit dem Schuldspruch noch lange nicht getan sei, verwies auch der Sänger Justin Timberlake. Viele Familien würden noch auf Gerechtigkeit warten, schrieb der 40-Jährige zu dem Hashtag #PoliceReformNOW, mit dem sich Menschen für eine sofortige Reform der Polizei starkmachen. „Viele Kämpfe liegen noch vor uns“, mahnte auch die Schauspielerin Kerry Washington.

Star-Moderatorin Oprah Winfrey schrieb auf Twitter zu einem Foto von Floyd, sie sei „erleichtert – und emotional auf eine Weise, wie ich es nicht erwartet habe“. Sie habe bei jedem Urteilsspruch Freudentränen vergossen. Die 67-jährige Winfrey, die noch immer als eine der einflussreichsten Prominenten der Welt gilt, bedankte sich in ihrem Statement ausdrücklich bei Darnella Frazier. Die damals 17-jährige Frazier hatte die Tötung von George Floyd gefilmt und im Prozess auch gegen den Ex-Polizisten Chauvin ausgesagt.

Floyds schockierender Tod führte landesweit zu Demonstrationen und löste eine Debatte über systemischen Rassismus, Ungleichbehandlung und Polizeibrutalität gegen Schwarze in den USA aus. Viele Hollywoodstars meldeten sich daraufhin mit eindringlichen Appellen und Spendenaufrufen für Rassismus-Opfer zu Wort.