Hamburg - Tausende Besucher des Evangelischen Kirchentages in Hamburg sind womöglich knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Wie erst jetzt bekannt wurde, hatte ein Containerschiff, das Anfang Mai im Hamburger Hafen brannte, vier Tonnen Munition, 180 Tonnen leicht entzündliches Ethanol und etwa neun Tonnen gefährliches Uranhexafluorid an Bord. Insgesamt war die „Atlantic Cartier“ mit rund 20 Tonnen radioaktiven Materials beladen. Das Feuer konnte zügig gelöscht werden, niemand kam zu Schaden. Uranhexafluorid wird unter anderem zur Herstellung von Atom-Brennstäben verwendet. Es gilt als extrem giftig und aggressiv.

Ein Sprecher der Hamburger Feuerwehr teilte am Freitag mit, es sei ein ganz besonders gefährlicher Einsatz für die rund 200 Feuerwehrleute gewesen. Nicht wegen der radioaktiven Stoffe, sondern weil an Bord extreme Hitze geherrscht habe. Der Brand sei so heiß gewesen, dass die Farbe der Schiffsaußenhaut bereits Blasen geschlagen habe.

Die Hamburger Grünen kritisierten die Informationspolitik des SPD-Senats: „Es ist eine Ungeheuerlichkeit, dass der Senat die Öffentlichkeit nicht von sich aus über diese Beinahe-Katastrophe informiert hat“, sagte der Bürgerschaftsabgeordnete Anjes Tjarks. Über den Vorfall hatten der NDR und die Onlineredaktion der Hamburger Morgenpost zuerst berichtet. Tjarks warf dem Senat vor, er habe die Angelegenheit vertuschen wollen.

Kurz vor Ausbruch des Brandes hatte in Sichtweite der Eröffnungsgottesdienst des Kirchentages in der Hafencity stattgefunden. An der Feier am Strandkay, etwa 500 Meter entfernt, nahmen neben Bundespräsident Joachim Gauck 35.000 Menschen teil.

Ein Sprecher der Innenbehörde sagte am Freitag, es sei bekannt gewesen, dass der Frachter auch Gefahrgut geladen habe. Deshalb habe die Feuerwehr auch so schnell reagiert und die Container von Bord geholt. „Für den Hafen und die Menschen in der Umgebung hat keine Gefahr bestanden“, so die Innenbehörde. Alle Container seien unbeschädigt gewesen, nichts sei ausgetreten.

Es dauerte 15 Stunden, das Feuer auf dem 276 Meter langen Schiff zu löschen. 30 der 70 an Autos an Bord verbrannten. Zwei Löschboote waren stundenlang damit beschäftigt, die Außenwand des Frachters abzukühlen.