Welche Rolle spielt Deutschland?

Welche Rolle könnte Deutschland bei der Friedenssicherung in Afghanistan spielen?

Unsere Freundschaft ist mehr als ein Jahrhundert alt, und wir begrüßen die Rolle Deutschlands bei der Herstellung eines Friedens in Afghanistan.

Es gibt Gerüchte, dass Sie gerade dabei sind, Ihre eigene politische Partei zu gründen. Planen Sie, sich wieder in die afghanische Politik einzubringen?

Nein.

Vor kurzem kündigte Präsident Trump an, die Zahl der US-Truppen um bis zu 4000 Soldaten zu erhöhen, damit den militärischen Aspekt der US-Präsenz in Afghanistan zu betonen und das sogenannte „Nation-Building“-Programm der USA in Afghanistan zurückzufahren. Was halten Sie von der Aufstockung der US-Truppen in Ihrem Land und von dieser grundlegenden Änderung der US-Politik in Afghanistan?

Ich habe meine Opposition gegen die verstärkte militärische Präsenz und den andauernden Krieg zum Ausdruck gebracht. Die USA konnten den Terrorismus nicht besiegen. Im Gegenteil. Mit der Präsenz der USA in Afghanistan erreichte die Radikalisierung ihren Höhepunkt. Die jetzt angekündigte US-Strategie, die Truppen zu erhöhen, ist keine Lösung. Was das „Nation-Building“ angeht, so hatten die USA keine wirklichen „Nation-Building“-Pläne für Afghanistan. Stattdessen haben sie private Sicherheitsfirmen gegründet, Milliarden von Dollar ausgegeben, Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit verletzt und sich in Konkurrenz mit den nationalen afghanischen Sicherheitskräften befunden. Weiteres Beispiel für das Fehlverhalten der USA ist die von ihnen geförderte massive Korruption. So wurden Aufträge direkt von der US-Armee vergeben; dies ist ein Verstoß gegen afghanische Gesetze und afghanische Verordnungen. Die USA haben sich in unser Wahlsystem eingemischt und eine Regierung erschaffen, die nicht der afghanischen Verfassung entspricht.

Herr Präsident, was ist aus Ihrer Sicht das strategische Interesse der USA in Afghanistan? Ist es vor allem ein militärisches Interesse an Afghanistan oder ist die Trump-Regierung auch daran interessiert, die Kontrolle über die riesigen natürlichen Ressourcen in Afghanistan zu erlangen?

Ja, die USA könnten auch an den natürlichen Ressourcen in Afghanistan interessiert sein. Aber ihr Hauptinteresse in Afghanistan liegt im globalen Wettbewerb um die Vorherrschaft in unserer Region. Einer Region, in der Großmächte wie China und Russland und Atommächte wie Indien, Pakistan und Iran eine Rolle spielen. Die USA sind in Afghanistan Teil eines weltumspannenden Spiels um künftige Macht und Einfluss in der Zukunft.

Herr Präsident, sollten die Vereinigten Staaten ihre Militärstützpunkte und Flugplätze in Afghanistan auf Dauer behalten dürfen?

Solange die langfristige Präsenz der USA nicht den Frieden und die Stabilität Afghanistans verletzt und nicht der Förderung guter Beziehungen zu Afghanistans Nachbarn schadet, können sie in Afghanistan bleiben.

US-Außenminister Rex Tillerson war vor kurzem in Kabul. Er sprach sich für Gespräche mit den Taliban aus und erklärte dazu: „Es gibt, wie wir glauben, moderate Stimmen unter den Taliban, Stimmen, die den Kampf nicht auf ewig fortführen wollen. Es gibt einen Platz für sie in der Regierung, wenn sie bereit sind zu kommen, sich vom Terrorismus abwenden, auf Gewalt verzichten und sich für eine stabiles und wohlhabendes Afghanistan einsetzen.“ Wie ist Ihre Reaktion auf Tillersons Aussage?

Es ist eine positive Aussage, dass diejenigen Taliban, die sich dem Friedensprozess anschließen wollen, willkommen sind. Die Hilfe der USA ist in dieser Hinsicht willkommen.

Herr Präsident, Sie sind Vater von kleinen Kindern. Eine Ihrer Töchter heißt Malalai. Der zweite Name meiner jüngsten Tochter lautet übrigens ebenfalls Malalai. Welche Zukunft wünschen Sie sich für Ihre Kinder in Afghanistan?

Ich habe vier Kinder. Einen Sohn namens Mirwais und drei Töchter – Malalai, Nazo und Dorkhanai. Ich hoffe, unsere Töchter können sich eines Tages treffen. Wenn in Afghanistan endlich Frieden herrscht.

Herr Präsident, vielen Dank für Ihre Zeit!