Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, begrüsst zur Sitzung der Unionsfraktion im Reichstagsgebäude Christian Schmidt (CSU) mit einer Ellenbogen-Berührung. Die von ihm «Ebola-Gruß» genannte Begrüßung soll während der möglichen Coronavirus-Epidemie die Weiterverbreitung von Viren verhindern. 
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BerlinDas neuartige Coronavirus stellt so einige Routinen auf den Kopf. Republikweit fallen Großveranstaltungen aus, Konzernchefs geben ihre Bilanzen lieber per Telefon durch. In den Gebäuden des Bundestags halten sich derweil täglich Tausende Menschen auf - zu Beginn der Sitzungswoche reisen die Abgeordneten aus ganz Deutschland an. Home-Office wird es allzu bald nicht geben, persönliche Anwesenheit ist Pflicht. Die Deutsche Presse-Agentur hat sich im Bundestag umgeschaut.

An schlichten Edelstahlsäulen an den Eingängen zum Reichstagsgebäude sind weiße Desinfektionsspender aus Plastik angebracht. Just zum Beginn der Sitzungswoche hat Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) die 709 Abgeordneten in einem Schreiben um Beachtung von Hygienemaßnahmen gebeten. Im Anhang fanden die Empfänger unter anderem einen Knigge zum richtigen Händewaschen.

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Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt überlässt es ihren Parteifreunden, wie sie es mit der Begrüßung handhaben: «Ob wir uns gar nicht begrüßen oder mit der Ghettofaust oder mit Winken oder wie auch immer, das steht jedem und jeder frei», sagt die Grünen-Politikerin am Dienstag in Berlin. Eine Notwendigkeit, Termine im Bundestag abzusagen, gebe es bisher aber noch nicht.

Vernünftige Handhygiene ist Standard

«Ich persönlich verhalte mich wie vorher», sagt auch Amira Mohamed Ali, Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag. Vernünftige Handhygiene habe sie aber schon vorher walten lassen. Sebastian Hartmann, Abgeordneter der SPD-Fraktion und Vorsitzender der NRW-SPD, gibt an, er merke, dass der Handschlag bei vielen Kollegen dieser Tage nicht gewünscht sei, warnte aber vor Panik.

Ruhe bewahren - das scheint auch die Devise der FDP zu sein. Ihr Vorsitzender Christian Lindner sagt, er fühle sich «gegenwärtig noch nicht wirklich bedroht». Er halte sich an die allgemeinen Ratschläge, etwa sich oft die Hände zu waschen und in die Ellenbeuge zu niesen und zu husten. «Aber ich will nicht in so einen Panikmodus geraten. Ich glaube, dass das Coronavirus ein sehr ernstzunehmendes gesundheitliches Risiko ist, aber dass es hoffentlich beherrschbar sein wird in Deutschland.»

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Bei der AfD verweigert man sich den Handschlag noch nicht - «um nicht allzu viel Verunsicherung zu promovieren», sagt ein Sprecher. Auch Fraktionschefin Alice Weidel teilt mit, die Stimmung in der Fraktion sei «weitgehend entspannt».

Anders bei der Union: «Das Händeschütteln fällt in diesen Wochen auch aus», sagt Fraktionschef Ralph Brinkhaus. Das Thema werde «sehr ernst» genommen. Kolleginnen und Kollegen sowie Mitarbeiter seien angewiesen, bei Verdachtsfällen oder Unsicherheiten zuhause zu bleiben. Fraktionssitzungen abzusagen sei bisher aber keine Option - «die bleiben».

Bundestag könnte vorübergehend geschlossen werden

Sollten sich Abgeordnete oder Mitarbeiter mit dem Virus infizieren, will sich die Bundestagsverwaltung an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts und das Infektionsschutzgesetz halten. Der Bundestag könnte also vorübergehend geschlossen werden. «Die Bundestagsverwaltung nimmt fortlaufend eine Risikobewertung vor», so ein Sprecher.

Nach Angaben der Bundestagsverwaltung arbeiten allein rund 2700 Menschen in den Abgeordnetenbüros. In der Verwaltung seien es 2500 bis 3000 Mitarbeiter. Hinzu kommen über 6000 Besucher täglich, die durch die Bundestagsgebäude laufen. Schäuble hatte in seinem Schreiben auch angekündigt, dass Dachterrasse und Kuppel für den öffentlichen Besucherverkehr geschlossen werden könnten.

Der Parlamentspräsident wies die Abgeordneten zudem an, Dienstreisen, insbesondere in Risikogebiete, «auf das zwingend notwendige Maß zu begrenzen». Die Abgeordneten unterlägen ungeachtet ihrer Immunität den infektionsschutzrechtlichen Maßnahmen der zuständigen Gesundheitsbehörden. Laut Gesetz bedeutet das unter anderem: Kranke müssen Untersuchungen dulden und den Behörden unter Umständen Zutritt zu ihrer Wohnung gestatten. Die Behörden müssen jedoch den Bundestagspräsidenten darüber informieren, wie es in der Geschäftsordnung des Bundestages heißt.