Prinz Harry und Herzogin Meghan.
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BerlinIn die ganze Aufregung um den angekündigten Rücktritt von Prinz Harry und Herzogin Meghan von einem Großteil ihrer royalen Verpflichtungen mischt sich erwartungsgemäß viel Häme. Gern wird daran erinnert, dass Harry, der berühmt-berüchtigte Party-Prinz, sich noch nie um die Würde seiner Herkunft geschert habe und jetzt einfach davonlaufen würde, wo das Brexit-gebeutelte Königreich in größten Nöten steckt. 

Und vielleicht, so geht’s dann weiter, übe bei der privatistischen Drückebergerei auch noch die angeheiratete, zumal standesungemäße Schauspielerin Meghan Markle einen schlechten Einfluss auf den Prinzen aus. Das Problem liegt aber sehr viel tiefer, wenn man die Monarchie denn als gesellschaftliches Phänomen ernst nehmen möchte.

Selbstverwirklichung trifft auf Grundfeste der Monarchie

Und das hieße zu konstatieren, dass sich die Windsors – wie übrigens die meisten anderen Königshäuser – im Rahmen einer konstitutionellen Monarchie demokratisch haben einhegen lassen und damit weitreichend auf politische Herrschaftsansprüche verzichteten. Ohne diese Modernisierung wären sie längst in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. In der Folge blieb ihnen als Legitimationsgrund einzig der willkürliche, nicht an irgendwelche Verdienste, mithin also zufällige Befund ihrer Blutsbande.

Von ihnen sagt sich Prinz Harry nun los. Sein moderner und ja auch grundsympathischer Anspruch auf mehr Selbstverwirklichung ist zu viel Modernität für den Anachronismus, dem er seiner Herkunft nach verpflichtet ist, und zielt direkt auf die Grundfeste der Monarchie. Allen Titeln, zumindest aber allen Privilegien zu entsagen, wäre Harrys letzter Dienst, den er der Krone zu leisten hätte.