Deutlich mehr Menschen als bisher bekannt sind trotz ihres Teilzeit- oder Vollzeitjobs auf zusätzliche staatliche Leistungen angewiesen. Laut der offiziellen Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) haben vergangenes Jahr 1,3 Millionen sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer ihr zu niedriges Gehalt mit Hartz IV aufgestockt. In der Statistik tauchen allerdings Zehntausende Familien nicht auf, die einen Kinderzuschlag bekommen, weil das Einkommen der berufstätigen Eltern knapp unterhalb der Hartz-IV-Grenze liegt. Im April 2013 betraf das immerhin 77.248 Familien mit 205.921 Kindern, wie aus einer Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann bei der BA hervorgeht.

Zwei Milliarden Euro Kosten

Der Zuschlag stockt das Einkommen bis zur Hartz-IV-Bedarfsschwelle auf und beträgt höchstens 140 Euro. Derzeit liegt der monatliche Beitrag pro Kind laut BA bei rund 110 Euro. Elternpaare müssen mindestens ein Einkommen von 900 Euro, Alleinerziehende von 600 Euro nachweisen, um den Kinderzuschlag beantragen zu können. „Es ist traurige Realität in Deutschland, dass Hunderttausende Kinder auf Hartz-IV-Niveau leben, obwohl ihre Eltern arbeiten. Das Aufstockerproblem ist noch größer als bekannt, wie das Ausmaß und die Entwicklung des Kinderzuschlags zeigen“, sagte Zimmermann der Berliner Zeitung. Es sei nicht hinnehmbar, dass die Regierung einen Mindestlohn verweigere und Billigjobs fördere.

Nach den Zahlen der BA wurden seit 2005 für die aufstockenden Leistungen des 2008 reformierten Kinderzuschlags mehr als zwei Milliarden Euro ausgegeben. In den zurückliegenden fünf Jahren nahm die Zahl der Kinderzuschlagsbezieher deutlich zu. Im Dezember 2007, vor der Reform, lag die Zahl der Familien noch bei 11.295. Ein Jahr später waren es schon 50 026, im Dezember 2012 nahmen 76 307 Familien den Kinderzuschlag in Anspruch. Die tatsächliche Zahl der Bezieher dürfte dabei sogar noch höher liegen. Denn in der Statistik würden nur die Fälle gezählt, in denen der Zuschlag laufend gezahlt werde, erklärte Zimmermann. Familien, die die staatliche Leistung nachträglich für einen bestimmten Zeitraum bekommen haben, würden gar nicht aufgeführt.