TOCHTER: Guck mal hier, ein Bericht über den Hass auf Frauen. Ich wusste nicht, dass es Männer wie diese Incels gibt, die derart Frauen verachten, dass sie gewalttätig werden.

MUTTER: Es sind offenbar junge Männer, die keinen Erfolg bei Frauen haben und es als Kränkung ansehen, dass sie keinen Sex haben. Und dann steigern sie sich in einen Hass rein. Aber es gibt natürlich auch noch andere Formen der Frauenverachtung, sogar Parlamentarier machen abwertende Bemerkungen. Was regt dich am meisten auf?

Ich sehe überhaupt nicht ein, wieso die eine Hälfte der Bevölkerung schlechter behandelt werden sollte, als die andere. Es ist einfach nur dreist, wenn ein Mann sich über Frauen erhebt. Mittlerweile muss man als Mann was können und sich beweisen, um gegen eine Frau zu bestehen. Ich glaube das ist ein Problem für viele Männer.

Glaubst du, dass gesellschaftliche Strukturen frauenfeindliche Ideologien befördern?

So richtig frauenfeindliche Strukturen haben wir nicht mehr. Aber es gibt immer noch Klischees, Frau kocht, Mann arbeitet und ist der Kopf der Familie. Aber das ändert sich ja gerade. Im Internet behaupten diese Radikalen trotzdem, was sie wollen und rufen zu Gewalttaten auf, die dann auch umgesetzt werden.

Mich ärgert dieses Anspruchsdenken. Frauen müssen für Sex zur Verfügung stehen. Das glauben diese Männer offenbar. Wenn die Frauen nicht wollen, muss man sie dafür bestrafen. Frauen werden als verfügbar angesehen.

Die Bilder von Frauen sind problematisch. Entweder sind Frauen prüde und wollen nicht und man muss sie als Mann überreden. Oder Frauen sind willig und unterwerfen sich jedem. Dass Frauen selber wissen, was sie wollen, und das auch so sagen, ist offenbar als Möglichkeit nicht angekommen bei einem Teil der Männer. Über die Sexualität von Frauen wollen diese Männer ja nicht reden. Es sind halt ihre Fantasien, die auf Frauen projiziert werden. Die sollen dann umgesetzt werden.

Das ist aber ein Problem. Frauen müssen selbstbewusst auftreten und dürfen sich diesen Fantasien nicht unterwerfen. Indem man ein männergemachtes Frauenbild akzeptiert, fördert man diese Haltung und sorgt dafür, dass es so bleibt. Frauen müssen klarmachen, dass sie keine Produkte sind, kein Besitztum.

Aber Männer müssen auch etwas tun. Wenn man im Beruf solche Dinge mitkriegt, sollte man denjenigen eben feuern. Sexismus sollte nicht toleriert werden. Es geht nicht, dass man seine Arbeitskollegin wie Dreck behandelt. Und es muss dann auch öffentlich klargestellt werden, warum jemand gehen musste.

Würdest du selbst offensiv reagieren zum Beispiel auf herabsetzende anzügliche Witze?

Bei Jungs in meinem Jahrgang schon. Wenn es der Chef ist, ist es viel schwerer. Da muss die Struktur helfen oder eine gesellschaftliche Ächtung.