„Babo“ ist in einer Aktion des Langenscheidt-Verlags zum Jugendwort des Jahres 2013 gewählt worden. Für die Germanistin Heike Wiese (47) war das eine positive Überraschung: Das sei ein Jugendwort, das man tatsächlich kenne, sagte sie am Dienstag im Interview der Nachrichtenagentur dpa. Die Professorin für Deutsche Sprache der Gegenwart an der Universität Potsdam erforscht in Berlin Kiezdeutsch - als neuen deutschen Dialekt, der sich unter Jugendlichen in multiethnischen Wohngebieten entwickelt hat. Wiese kennt „Babo“ als Anredeform, ähnlich wie das berlinische „Meister“.

Überrascht Sie die Entscheidung?

Es hat mich positiv überrascht, weil es ein Wort ist, das man kennt. Früher kannte die Jugendwörter des Jahres, etwa „Gammelfleischparty“, niemand. Der Verlag will das Thema „Jugendsprache“ in die Medien bringen. Er lässt Vorschläge im Internet einreichen, was das Humorige fördert. Das ist keine sprachwissenschaftliche Methode, soll es ja aber auch nicht sein. In diesem Fall hat es aber funktioniert, vielleicht eher ein Zufallstreffer, aber das Wort wird tatsächlich auch von Jugendlichen verwendet.

Ist es ein gebräuchliches Wort?

Ja, es kommt aus dem mehrsprachlichen Kontext, im Kurdischen oder Türkischen gibt es „Baba“ (Vater). Ich habe es als Anrede gehört: „Wie geht's, Babo?“ Es geht in Richtung „Chef“ und wird ironisch gebrochen benutzt. Im Berlinischen wäre es mit „Meister“ zu vergleichen.

Inwiefern kann Kiezdeutsch eine Bereicherung für die deutsche Sprache sein?

Keiner spricht nur Kiezdeutsch - wenn wir mit den Jugendlichen reden, sprechen die eine standardnahe Umgangssprache. Das Deutsche wird dadurch reicher, dass wir eine Variante mehr haben. Kiezdeutsch ist ein dynamischer neuer Dialekt. (dpa)